Auszug aus dem Fachbuch „Die Ermittlung von Brandursachen“.
Aus brand-feuer.de
Die folgenden Ausführungen geben einen Überblick und vereinzelte Auszüge aus dem Buch über die Brandursachenermittlung. Es werden einige Kapitel des Buches vorgestellt und angerissen, so dass der Leser eine gewisse Vorstellung davon bekommt, wie ein Brandermittler arbeitet. Die Auszüge sind vom Verfasser selbst zusammengestellt und stellen in der Regel Zitate aus dem Buch in gekürzter Form dar.
Aus dem Buch:
Anliegen des Verfassers
Bei der Darbietung der großen Variationsbreite von Brandursachen wird auf den brandtechnischen Ablauf der Brandentstehung Wert gelegt; dagegen weniger auf die unterschiedlichen Arbeitsweisen eines Brandstifters. Der Leser soll einen Einblick darüber bekommen, wie am Schadensort die Brandausbruchsstelle ausfindig gemacht wird und dort auf weitere, objektiv mögliche Brandursachen geschlossen werden kann. An Hand des Spurenbildes können Ursachen ausgeschlossen, andere Varianten wiederum bekräftigt werden. Hier wird nicht nur die Frage nach der Brandentstehung aufgeworfen, sondern es wird auch dargelegt, wie diese Ursachen aufgespürt, erkannt und nachgewiesen werden können. Auch für Feuerwehrleute, Schadensregulierer von Versicherungen, Sicherheitsmanager, Staatsanwälte, Richter, Strafverteidiger usw. bietet dieses Buch viel Wissenswertes.
Vorbemerkungen
Brände treten im alltäglichen Leben in sämtlichen Bereichen und zu jeder nur denkbaren Zeit auf. Wer mit der Bearbeitung von Brandsachen konfrontiert wird, dem ist nicht unbekannt, wie vielfältig das Spektrum möglicher Brandursachen ist.
Gerade weil die Brandursachenermittlung (BUE) ein sehr spezielles und kompliziertes Gebiet ist und Fachliteratur, die sich auf die Darstellung der praxisnahen Vorgehensweisen bei der Ursachenerforschung von Bränden konzentriert, kaum vorhanden ist, sah ich mich veranlasst, meine praktischen Erfahrungen und Erkenntnisse über diese Materie schriftlich zu fixieren, um sie einem breiten und interessierten Personenkreis zugänglich zu machen. Es wird nachfolgend umfassend dargestellt, welche Brandursachen unterschieden werden können.
Es wird also im Wesentlichen eine Frage aufgeworfen. Die Kernfrage, die sich jedem Brandsachbearbeiter der Polizei stellt:
Die Frage nach der Brandentstehung aufzulösen, ist in mehrfacher Hinsicht schwierig, aber auch gerade deswegen sehr reizvoll. Nach einem Brand bietet sich dem außenstehenden Betrachter ein evident unüberschaubares Chaos, welches durch oftmals immensen Sachschaden noch untermauert wird. Andererseits entsteht aber auch Chaos durch die vermeintliche und stark berechtigte Hoffnungslosigkeit auf der Suche nach verwertbaren Spuren, die Aufklärung über das Geschehen kurz vor Brandausbruch geben könnten, die eben erst durch dieses Ereignis entstanden sind.
Brandursachen werden zum größten Teil durch subjektives Fehlverhalten der Menschen selbst gesetzt. Brände entstehen seltener durch rein natürliche oder technische Vorgänge, bei denen der Mensch keinerlei Einfluss hatte. In der Regel hat der Mensch in irgendeiner Art und Weise vor dem Brand auf technische Prozesse, Abläufe oder normale Geschehnisse eingewirkt und dadurch bewusst oder unbewusst die Entstehung eines späteren Brandes beeinflusst oder direkt bewirkt. Fazit ist, dass fast immer der Mensch mehr oder minder Anteil an der Brandentstehung hat, wobei ihm der Einfluss seiner Handlung auf die mögliche Herbeiführung eines Feuers in dem Moment des Tun’ s oder Unterlassens nicht bewusst sein muss, da der Brand erst viel später zum Ausbruch kommen kann.
Die allgemeine Bedeutung der Brandursachenermittlung
Die BUE wird in anderen Fachbüchern gelegentlich als die hohe Schule der Kriminalistik bezeichnet. Grundlage der Brandsachbearbeitung ist zweifelsfrei die Ursachenermittlung. Wer mit der Bearbeitung eines Brandes, ob im „Ersten Angriff“ oder in der abschließenden Sachbearbeitung, zu tun hat, wird feststellen, dass an ihn hohe Anforderungen gestellt werden.
Unterteilung der Brandursachen
Bei der nachfolgenden Einteilung der Brandursachen wird davon ausgegangen, welche wesentlichen Kriterien bei der Verursachung eines Brandes eine Rolle spielen. Hierzu wurden praktische Erfahrungen ebenso in Betracht gezogen, wie Fragen nach den Gesetzmäßigkeiten bei der Entstehung eines Brandes. Bei der Einklassifizierung der Brandent-stehungsmöglichkeiten wurde in drei Hauptgruppen unterteilt. In der ersten Gruppe werden natürliche Ursachen zusammengefasst. Derartige Brände werden ausschließlich durch chemische, biologische oder physikalische Abläufe oder Einflüsse in Gang gebracht… Die nächste Unterteilung befasst sich mit Zündmitteln, welche, in der Regel durch die verschiedensten Handlungsweisen des Menschen angewandt, mit einem brennbaren Stoff korrelieren, so dass es zu einem Schadenfeuer kommt. Zur letzten Kategorie gehören die Brände, bei denen von Ursachen ausgegangen wird, die auf technischem Gebiet zu suchen sind.
Die Brandursachenermittlung
Wie bereits dargelegt, gestaltet sich die Untersuchung des Brandortes in fast jedem Fall schwierig, weil durch die Einwirkung von Feuer, Rauch, Ruß und Löschmitteln Brandspuren in erheblichem Maße zerstört sein können. Andererseits ist es aber für den Brandprozess auch typisch, dass nicht nur Spuren vernichtet werden, sondern Spuren durch die Umwandlung der Materie überhaupt erst entstehen, wie z.B. Ruß und Asche. Das Spurenbild eines Brandes, der im Anfangsstadium von selbst verlöscht, wird hinsichtlich der Aufklärungsmöglichkeit wesentlich umfangreicher sein, als das eines Brandes, bei dem das Brandobjekt völlig zerstört wurde. Für den BU, der an die Brandstelle gelangt, muss die Zielstellung lauten, sich ein umfassendes Bild über das Brandobjekt und dessen Umgebung zu verschaffen sowie Spuren und Faktenmaterial aufzuspüren, um letztendlich Aussagen darüber treffen zu können, wie sich der Brandverlauf gestaltete, in welchem Raum, oder noch optimaler, an welcher Stelle der Brand ausbrach und welche Zündquelle maßgeblich zum Ausbruch des Brandes beigetragen hat.
Grundsätze der Brandursachenermittlung
Der BU hat die Aufgabe die brandauslösende Zündquelle vorurteilsfrei zu ermitteln. Dazu ist umfangreiches Wissen über den Verbrennungsprozess, Brandverhalten von Stoffen und Bauteilen sowie über Brandspuren erforderlich. Neben dem theoretischen Wissen ist eine mehr oder weniger langjährige Erfahrung sehr von Vorteil, aber nicht ausschlaggebend. Bei der Ursachenerforschung sind sowohl objektive als auch subjektive Erkenntnisse über den Brandverlauf zu sammeln. Dies erfordert u. a. ein schnelles Erscheinen an der Brandstelle. Wo dies nicht möglich ist, sollten wichtige Erstinformationen durch die Polizeibeamten gesammelt und fixiert werden, die im Rahmen des „Ersten Angriffes“ oder der Gefahrenabwehr zum Einsatz gelangen. Wenn die Feuerwehr noch am Brandort angetroffen wird, ist unbedingt eine Abstimmung erforderlich. Diese Absprache muss dahingehend erfolgen, dass die Kräfte der Feuerwehr so wenig wie möglich an Spuren vernichten, hinsichtlich ihrer Beobachtungen befragt werden und mit dem Einsatzleiter der Feuerwehr die noch notwendigen Maßnahmen abgestimmt werden.
Vorgehen am Brandort
Nach den vorangegangenen Maßnahmen, beginnt anschließend die eigentliche Arbeit, die der Erforschung der Brandursache gewidmet ist. Die Aufmerksamkeit des Brandermittlers gilt in erster Linie der Erforschung der Brandursache, d.h. zunächst wird das Ziel verfolgt, die BA-Stelle zu lokalisieren. Gelingt dieses nicht, wird sich die Untersuchung auf größere Bereiche konzentrieren müssen. Nachdem die Orientierung über die Gesamtlage erfolgte, wird systematisch im Brandobjekt vorgegangen. Dazu ist die Erkenntnis wichtig, dass sich die erwärmten Luftschichten nach oben ausbreiten. Demzufolge muss der Ausgangspunkt des Brandes durch gedankliches Zurückverfolgen der Abbranderscheinungen (Brandzehrungen) im Brandobjekt gefunden werden. Das Zurückverfolgen der Abbranderscheinungen ist ohne fundiertes Wissen über Gesetzmäßigkeiten einer Verbrennung und dem Verhalten von Baustoffen im Feuer nicht ohne weiteres möglich, ohne grobe Fehler zu begehen. Im Raum des Brandausbruches beginnt die systematische Suche. Es werden Einrichtungsgegenstände, bauliche Gegebenheiten, Öffnungen, Verrußungen, Brandschutt, Abbranderscheinungen, elektrische und technische Geräte und Anlagen, um nur einiges zu nennen, in die Begutachtung einbezogen. Bei der Abtragung des Brandschuttes geht man von außen in Richtung der vermuteten Zündquelle vor. Ziel ist das Erkennen von Spuren der Brandentstehung und des Brandverlaufes. Dabei wird der Brandschutt schichtweise abgetragen, z. B. mit Schaufel, Forke, Spatel, Besen, per Hand usw. Das verwendete Arbeitsgerät hängt von der Menge und Art des zu bewältigenden Brandschuttes ab und dem konkreten Erfordernis im speziellen Fall, ob der Brandschutt "grammweise" abgetragen werden muss. Je nach Brandobjekt kann mehr oder weniger Brandschutt auftreten. Bei Heuselbstentzündungen ist eine Auslagerung von oftmals Tonnen von Erntegut notwendig, die nur mit Hilfe von Fördertechnik (Bagger, Greifer, Transporttechnik) realisiert werden kann. Bei einem Brand einer technischen Anlage und eindeutigem Ausgangspunkt in der Maschine, wird u. U. kein Brandschutt zu bewegen sein, sondern es wird eine Demontage und Untersuchung der Maschine bzw. des entsprechenden Segmentes erfolgen. Bei der Untersuchung eines Wohnzimmers als Brandraum, kann es schon durchaus notwendig sein, dass die Brandrückstände mit einem kleinen Spatel, Spachtel oder Handfeger durchsucht werden… Beim Vorgehen im Brandobjekt sollte auf jeden Fall Zeit investiert und nicht durch voreilige Schlüsse auf eine Brandursache erkannt werden, ohne andere mögliche Ursachen untersucht zu haben. Durch die meist vorhandene, hohe Zerstörung ist die Suche nach der Ursache zeitaufwendig, bedeutet teilweise schwere, körperliche und schmutzige Arbeit, die mit Gefahren assoziiert ist. Wer in der Ursachenermittlung bewandert ist, dem wird es nicht neu sein, dass durch die Beräumung des Brandraumes zwar die Ursache meistens gefunden wird, was aber nicht bedeutet, dass das entscheidende Streichholz oder die brandauslösende Zigarette noch aufgefunden wird. In vielen Fällen sind deshalb nur Wahrscheinlichkeitsaussagen möglich. Durch das Eliminierungsverfahren werden zu den untersuchten Alternativen einschränkende Aussagen getroffen, mit dem Ziel des Ausschlusses möglichst vieler Ursachen, so dass es in einem Bericht beispielhaft heißen kann:
"Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit kam es durch eine biologische Selbstentzündung zum Brand, wobei eine elektrische Ursache nicht völlig ausgeschlossen werden kann".
Die Brandspuren
Ein Brand hinterlässt eine Vielzahl von markanten Spuren, die an den Stoffen, Gegenständen, an Bauteilen und im Brandobjekt Erscheinungen der Brandentstehung und -ausbreitung widerspiegeln.
Brandtypische Spuren können unter bestimmten Voraussetzungen nur kurze Zeit vorhanden sein oder können im Brandverlauf verändert werden. Rußablagerungen können unter bestimmten Bedingungen entstehen, aber auch bei hohen Temperaturen wieder verbrennen. Nach intensiver Brandeinwirkung stürzen Gebäudeteile ein, so dass der Zerstörungsgrad noch erhöht wird. Auch brandfördernde Mittel können nachgewiesen werden, wenn sie nach einem starken Feuer nicht vollständig verbrannt sind oder sich bis zur Sicherung nicht verflüchtigt haben. Nachfolgend sollen wichtige Brandspuren näher erläutert werden, da die Kenntnis über mögliche Brandspuren eine wichtige Voraussetzung für die BUE ist. Den Brandspuren folgend, lässt sich am Brandort der Entstehungspunkt des Feuers lokalisieren.
Spezielle Brandspuren (hier nur Aufzählung)
- a) Abbranderscheinungen
- b) Die Flammenfärbung
- c) Farbe und Geruch des Rauches
- d) Rauchfahnen und Schwelgasniederschläge
- e) Brandtrichter
- f) Brandspuren am Mauerwerk, Beton und Putz
- g) Brandspuren am Glas
- h) Blitztzschlagspuren
- i) Auswirkungen eines Brandes auf Metallteile und weitere thermische Einflüsse auf Metalle
- j) Schmelzperlen an elektrischen Leitungen
- k) Nagespuren an elektrischen Leitungen
- l) Einschmelzungen und Abtropfspuren
- m) Scheuerstellen
- n) Spuren einer Selbstentzündung von Erntegut
- o) Lokale Einbrennungen
- p) Deflagrationen, Explosionen, Detonationen und Stichflammen
- q) mehrere Brandstellen und sonstige Brandspuren
Erkennen von Brandursachen
Die Brandortarbeit mit dem Ziel der späteren, vollständigen Aufklärung des Brandes, beginnt mit der Suche nach dem Auslöser des Feuers. Es sollen Merkmale an technischen Anlagen, Brandspuren bei natürlichen Ursachen, Spuren der vorsätzlichen Brandstiftung oder des fahrlässigen Handelns sichergestellt und gerichtsverwertbar dargestellt werden, die eine Wechselbeziehung zwischen dem Brand und der Ursache begründen. Die vorliegende Darstellung setzt über die Verbrennung einiges voraus, geht aber auch auf diverse Gesetzmäßigkeiten und Erscheinungen des Brandes ein, da dies für das Erforschen der Ursache unerlässlich ist. Praktische Routine kann, ungeachtet dargestellter Beispiele, nur an der Brandstelle selbst gesammelt werden. Die Erfahrung kann also durch diese Studie nur zum Teil kompensiert werden. Um Brandursachen überhaupt zu beweisen, müssen objektiv mögliche Versionen zunächst erkannt werden. Neben der Bewertung vorhandener Spuren, die ein Brand in erheblicher Zahl hinterlässt, kann sich dem Ausgangspunkt des Feuers durch Zeugenbefragungen schon ein stattliches Stück angenähert werden. Kriminalisten machen jedoch schnell die Erfahrung, wie erheblich Beobachtungen von offensichtlich zuverlässigen Zeugen, die das gleiche erlebt haben, voneinander abweichen. Wenn die Brandstelle erreicht wird, müssen dessen ungeachtet alle sinnvollen Möglichkeiten, die in Betracht zu ziehen sind, unvoreingenommen objektiv bewertet und analysiert werden. Meine Ausführungen können in gewisser Weise als Arbeitsanleitung für das Vorgehen am Brandort angesehen werden, als Übersicht des zu erwartenden Spurenaufkommens und nicht zuletzt als Verfahrensanleitung, wie der positive Sachbeweis angetreten werden kann. In der Praxis sammelt der Ermittler die ersten Erkenntnisse über das Feuer an der Brandstelle, abgesehen von einigen Ausgangsinformationen, die hilfreich sind. Somit wird unvoreingenommen an die Spurensuche herangegangen. Durch die Systematik in den anschließenden Ausführungen zu den einzelnen Brandursachen soll nicht der Eindruck entstehen, als wenn die tatsächliche Ursache schon vorher bekannt war und nur noch zielstrebig darauf zugearbeitet werden braucht. In der Praxis ist das mitunter viel komplizierter und man steht nicht selten vor einem Rätsel.
" Und außerdem können solche Schuttberge fast so anschaulich erzählen wie ein Buch. Na gut, vielleicht muß man hier etwas mehr zwischen den Zeilen lesen". Quelle: Zeitschrift "Technikus" 2/89
Natürliche Brandursachen
Wie zu Beginn bereits erläutert, beschäftigt sich dieses Kapitel mit Brandursachen, die auf natürliche Prozesse zurückzuführen sind, ohne dass der Mensch dabei eine schuldhafte und die brandauslösende Rolle spielt. Derartige Brände werden ausschließlich durch chemische, biologische oder physikalische Abläufe und Einflüsse in Gang gebracht. Es darf aber nicht übersehen werden, dass der Mensch den Ausbruch solcher Brände durch sinnvolle Gegenmaßnahmen verhindern kann, z.B. durch Temperaturmessungen bei Heu oder ausreichendem Blitzschutz an Gebäuden. Aber auch Brände, die durch Tiere entstanden sind, gehören hier her, da Tiere der natürlichen Umwelt angehören.
Blitzschlag
Der Blitzschlag wird den natürlichen Brandursachen zugeordnet, da Entstehung und Verlauf eines Gewitters vom Menschen nicht beeinflusst werden können. Es kann aber durch Blitzschlag nur so viel Schaden angerichtet werden, wie der Mensch durch entsprechende Gegenmaßnahmen zulässt. Die Schutzmaßnahmen müssen jedoch ökonomisch in einem vernünftigen Verhältnis zu dem zu erzielenden Nutzen stehen. Es können innere und äußere Blitzschutzmaßnahmen realisiert werden. Während des Blitzes durch Gasentladungen treten thermische, elektrodynamische und elektrochemische Kräfte auf. Die akustische Wahrnehmung des Donners (der heiße Blitzkanal explodiert durch sich aufbauenden Überdruck) birgt keine Gefahren in sich. Wenn nun in ca. 70 Millisekunden ein Ladungsausgleich Wolke-Erde stattfindet, können durch die elektrische und thermische Kraft Millionenschäden an Sachwerten angerichtet werden.
Vorgehen am Brandort
Es wurde bereits festgestellt, dass es zündende Blitzeinschläge nach/ während Wärme-, Front- oder orographischen Gewittern geben kann. Da sich die Menschheit seit Jahrhunderten vor Blitz und Gewitter fürchtet, wird in bewohnten Gebieten dieses Naturschauspiel mehr oder minder aufmerksam verfolgt, so dass vermeintliche Blitzeinschläge hinsichtlich ihrer eventuellen Wirkungen (Stromausfall, umstürzenden Bäume, Brände usw.) besonders intensiv und genauestens beobachtet werden… Es können am Brandort große mechanische Zerstörungen eingetreten sein. Je nach betroffenem Objekt ist auch einzukalkulieren, dass Personen getötet oder verletzt wurden. Danach würden sich weitere, konkrete Maßnahmen des Handelns ergeben. So ist z.B. mit Paniksituationen zu rechnen, abhängig von der Anzahl möglicher Toter und Verletzter sowie Art und Schwere der Läsionen.
Wenn das brandgeschädigte Objekt zusätzlich zur Brandeinwirkung noch erheblich zerstört ist, birgt dies weitere Gefahren während der Brandortarbeit in sich. Das Gebäude kann bezüglich der allgemeinen Begehbarkeit einen Unsicherheitsfaktor darstellen oder es ist sogar einsturzgefährdet. Wenn Gebäudeteile beschädigt wurden, können diese herabstürzen. Alle diese denkbaren Gefahren erschweren ein gründliches Vorgehen am Brandort. Die Aufmerksamkeit gilt zunächst dem Vorhandensein einer Blitzschutzanlage, die aus den Ableitern und Erdungsanlagen und den Fangeinrichtungen besteht, die in der Regel an dem äußerlich sichtbar angebrachten Blitzschutzdraht zu erkennen ist. Je nach Zerstörungsgrad des Bauwerkes ist diese leicht im Brandschutt auszumachen, denn diese schmilzt meistens nicht weg. Brände können bei fehlender, schadhafter oder mangelhaft installierter Blitzschutzanlage entstehen. Die intakten Schutzeinrichtungen bieten eine erhebliche Sicherheit vor Einschlägen und werden für jedes Objekt individuell berechnet, projektiert und errichtet. Ob eine Blitzschutzanlage mangelhaft war, lässt sich nur durch eine separate Inspektion von Fachleuten nachweisen, falls der Fehler nicht augenscheinlich ist, wie abgerissene Ableiter u. ä. Der Ereignisort ist auf den BA-Bereich eingehend zu untersuchen, die BA-Stelle, wenn möglich zu lokalisieren. Über diese wichtige Fragestellung geben die Abbranderscheinungen an Wänden, Decken, Türen, Fenstern usw. genauestens Aufschluss. Zeugen beobachten oft kurz nach dem Blitzeinschlag die ersten Flammen in konkret beschreibbaren Gebäudeteilen. Der Brandschutt wird schichtweise abgetragen. Es muss bei dieser mühevollen Arbeit auf Abschmelzungen, Tropf- oder Spritzspuren metallischer oder keramischer Werkstoffe geachtet werden. Je nach Schichtlage lässt sich die Entstehung dieser Spur in die Brandchronologie einordnen.
Typische Spuren
Es wurden bereits verschiedene Erscheinungsformen, die nach einem Blitzschlag auftreten können, dokumentiert. Diese sollen nachfolgend nochmals zusammengefasst werden, wobei nur auf die Wesentlichsten eingegangen wird, da das Spurenbild von der Mannigfaltigkeit der Wechselwirkung zwischen lebloser und belebter Materie und dem elektrischen Strom beeinflusst wird.
Durch Blitzeinschläge können Materialien durchlöchert werden, es entstehen Blitzfurchen (Rinnen) mit den verschiedensten Tiefen, Breiten und Profilen. Es können sich Blitzröhren z.B. im Sand, Erdboden u. a. herausbilden. Durch die Kraft des Blitzes, d.h. die thermische Wirkung, werden Flüssigkeiten schlagartig verdampft. Dadurch werden Gegenstände aus Holz, wie Bäume, Balkenkonstruktionen usw. gespalten. In gleicher Art und Weise werden insbesondere auch elektrische Leitungen an Stellen mit einem hohen Übergangswiderstand, aber ebenso andere Metalle zerstört oder geschmolzen. Die Kabel werden aufgrund der Wucht aus dem Putz herausgerissen. Es kann aber auch zu Leitungsdurchschlägen kommen, wodurch die Isolierung aufgehoben wird. Kurzschlüsse sind die Folge, in deren Konsequenz Lichtbögen die Isolierung oder anderes leicht brennbares Material in Leitungsnähe zur Entzündung bringen können. Das Mauerwerk kann Spalten und Risse aufweisen, die sich geradlinig und nicht dem Fugenverlauf entsprechend darstellen. Außer diesen Beschädigungen am Mauerwerk verursachen die extremen Blitztemperaturen Glasuren an den Ziegeln, Putz und Sand. Es sind dafür Temperaturen von ca. 3000 - 4000 °C erforderlich.
Die physikalischen Strukturveränderungen in der Materie äußern sich in Durchlöcherungen, Einkerbungen, zersplittertem Holz, Auflockerungen, oder Verdichtungen von Materialien, Rohrquetschungen, Zerreißungen , Zerschneidungen und zerfetztem Gewebe. Durch die hohe Wärmewirkung können metallische Bauteile im Aggregatzustand verändert werden, d.h. die Stoffe können verdampft oder geschmolzen werden…Ein weiteres Erkennungsmerkmal stellt die Magnetisierung metallischer Bauteile dar.
Nachweis
Im Allgemeinen ist es wichtig, dass für gesicherte Spuren plausible naturwissenschaftliche Erklärungen abgegeben werden können, um in diesem Fall einen Blitzschlag zu begründen. So besteht zunächst die Möglichkeit offizielle Daten der Wetterlage bei den Wetterdienststellen einzuholen.
Der Blitz hinterlässt im betroffenen Einschlagobjekt meist eine deutlich erkennbare Spur, die verfolgt, aufgenommen und nachweissicher dokumentiert wird. Die frischen Blitzspuren können entweder im Original (Art und Größe beachten) gesichert oder auf Zelluloid gebannt werden. Sind die Spuren bereits korrodiert, so sind sie älteren Ursprungs und haben mit der Brandentstehung nichts zu tun. Es kann ein spektrometrischer Vergleich mit dem Ursprungsmaterial veranlasst werden. Die eingetretene Magnetisierung kann mittels empfindlicher Messgeräte nachgewiesen werden, so dass unter Umständen die Einschlagstelle genau lokalisiert werden kann. Befinden sich im Gebäude nicht geerdete metallene Konstruktionen, Aufbauten, Antennen u. ä., ist zu prüfen, inwieweit dieser Mangel den Einschlag oder eine weitere und eventuell brandauslösende Ableitung des Blitzstromes begünstigte. Entscheidend sind auch die Existenz und der Zustand von Blitzschutzanlagen. Ist eine Anlage vorhanden, wird eine Prüfung der Relikte auf Mängel durchgeführt. Je nach Ergebnis können entsprechende Schlussfolgerungen abgeleitet werden. Werden Glasuren an Putz oder Ziegeln oder glasierte Bruchstücke dieser Stoffe vorgefunden, weist dies, wie schon erwähnt, auf Spuren besonders hoher Temperaturen von ca. 3000 - 4000 °C hin, welche Zeugen eindeutig elektrischer Einwirkungen (Blitz oder Lichtbogen) sind.
Selbstentzündung
Der Mensch wird sich immer wieder mit den Erscheinungen und Auswirkungen von Selbsterwärmungsprozessen konfrontiert sehen. Da der Nachweis nicht so leicht anzutreten ist, spricht man oft vorschnell vom Verdacht einer Brandstiftung, wobei damit umgangssprachlich eine vorsätzliche Handlung gemeint ist. Strafrechtlich gesehen besteht grundsätzlich bei jeder Brandsache zunächst der Verdacht einer Brandstiftung. Als Brandstiftungen werden jedoch sowohl vorsätzliche als auch fahrlässige Handlungen bezeichnet, also auch grobe Pflichtverletzungen oder Unterlassenshandlungen. Beispielsweise kann bei der nicht fachgerechten Lagerung von Erntegut ein Mitarbeiter der Firma zum "Brandstifter" werden, wenn auch nur in fahrlässiger Weise. Der wesentliche Unterschied zu anderen Verbrennungsvorgängen, bei denen die entscheidende Zündwärme von außen in irgendeiner Form zugeführt wird, besteht in der "Eigenproduktion" der brandauslösenden Hitze, wobei sich dieser Vorgang sehr kompliziert gestaltet. Eine Selbstentzündung wird durch biologische, chemische oder physikalische Prozesse ausgelöst, wobei diese auch ineinander greifen oder sich ablösen können. Nun finden in der Natur oder in technischen Abläufen viele Stoffumsetzungen statt, bei denen Wärme entsteht. Es existiert eine Unzahl von chemischen Stoffen, die unter bestimmten Voraussetzungen Wärme produzieren, sei es unter Einwirkung anderer Stoffe oder Feuchtigkeit, bei gegenseitiger Vermischung oder der bloßen Anwesenheit der Luft, so dass eine annähernde Aufzählung auch in den folgenden Abschnitten nicht möglich ist. Deshalb wurde eine Auswahl einiger wichtiger und in der Praxis oft vorkommender Stoffe getroffen. Häufig beobachtete Ursachen der Selbsterwärmung sind:
- Biologische Vorgänge, wie die Lebenstätigkeit von Mikroorganismen.
- Chemische Prozesse, wie die Einwirkung von Katalysatoren
- Physikalische Prozesse, wie die Anlagerung von Sauerstoff an die Oberfläche von brennbaren festen Stoffen
- oder die Absorption von Sauerstoff durch Flüssigkeiten oder Gase.
Wenn eine Temperaturerhöhung durch Selbsterwärmung eingetreten ist, führt dieser Vorgang nicht automatisch zur Selbstentzündung. Der weitere Verlauf wird durch eine Vielzahl von Einflussfaktoren bestimmt. Die Wahrscheinlichkeit, dass selbstentzündlicher Stoff in der Praxis tatsächlich zur Selbstentzündung gelangt oder nicht, schwankt oft in weiten Bereichen. Entscheidend ist, dass in dieser Phase mehr Wärme produziert wird, als abgeführt werden kann.
Selbstentzündung von Heu und Stroh
Prinzipiell sind alle organischen Stoffe in der Lage mit dem Sauerstoff der Luft zu reagieren, wobei das hieraus resultierende Wärmeniveau je nach äußeren Bedingungen unterschiedlich verläuft… Im Falle der Einlagerung von Stroh oder Heu, im Folgenden auch Erntegut, ist diese Problematik hinreichend bekannt. Selbstentzündungsbrände von landwirtschaftlichen Produkten stehen bei diesem Erntegut wohl mit an erster Stelle. Beim Abbrand eines Bergeraumes, einer Miete o. ä. ist diese Variante des Brandausbruches also in jedem Fall zu prüfen.
Damit es zu einer Selbstentzündung kommen kann, müssen einige Voraussetzungen vorliegen. Der Feuchtigkeitsgehalt des Erntegutes ermöglicht erst die Lebenstätigkeit der Mikroorganismen und die Fermentionsprozesse. Der Trocknungsgrad sollte deshalb unter 20 % liegen, wodurch eine Selbstentzündung praktisch verhindert werden kann. Um das Erntegut trocken einzubringen, spielen das Wetter und die angewandten Trocknungsverfahren eine wesentliche Rolle. Wenn das Heu mit der Hand gewendet wird, erreicht man 25 % Feuchte, während der Feuchtegehalt bei maschinenbearbeiteten Heu um 40 % liegt. Es wird sogar ein Trockensubstanzgehalt von 16 bis 17 % empfohlen, um die Selbstentzündungsgefahr auszuschließen. Bei höherer Feuchtigkeit erhöht sich durch das größere Gewicht die Lagerungsdichte, wodurch die entstehende Wärme schlechter abgeführt werden kann. Die Art der Lagerung spielt eine wesentliche Rolle bei der Begünstigung einer Selbstentzündung, wobei es immer um die Abführung der Wärme geht. Je größer der Stapel, desto höher ist die Lagerdichte. Bei der heutigen Technik werden Ballen gepresst, die ca. 400 - 500 kg wiegen. Die hohe Pressdichte vergrößert das Ballengewicht, die Lagerdichte steigt somit an…
In der ersten Phase erfolgt die Wärmeerzeugung durch die Lebenstätigkeit der Pflanzenzellen.
Typische Spuren
Um eine Selbstentzündung zu verhindern, ist ihre rechtzeitige Erkennung notwendig. Ein unkompliziertes und bewährtes Mittel ist die Temperaturmessung, die allerdings mit Fehlerquoten behaftet ist, da die Gefahr besteht, dass die lokal begrenzten Erhitzungsherde nicht erfasst werden. Mitunter ist es kompliziert, die Messinstrumente in das Erntegut hoher Pressdichte zu bringen. Gemessene Temperaturen von 40-45 °C sind durchaus dem normalen Schwitzprozess zuzuordnen und für die Erreichung der Futterqualität notwendig. Wurden höhere Temperaturen gemessen, weist dies auf eine abgelaufene Selbsterwärmung hin.
Durch den Schwitzprozess des erwärmten Heu’ s Erntegutes treten überauf der Mietenoberfläche Feuchtigkeitsschwaden auf, wodurch benachbarte Abschnitte eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Schimmelschicht aufweisen.
Es setzt die Bildung von Braunheu, dunkelbraunem und schwarzbraunem Heu, schwarzer Heukohle und letztendlich weißer Asche ein. Die langsame Erwärmung verläuft neben sichtbaren Anzeichen auch mit der Ausbildung von Brand-gerüchen, die VON SCHWARTZ in [50] wie folgt gliedert:
- a) Geruch nach saurem Roggenbrotteig,
- b) Geruch nach faulem Rettich,
- c) Geruch nach faulen Äpfeln,
- d) Geruch nach Ameisensäure,
- e) Geruch nach Essigsäure,
- f) Geruch nach fermentiertem Tabak,
- g) Geruch nach leicht geröstetem Kaffee.
Es wurde vielfach von Betroffenen berichtet, dass kurz vor Brandausbruch keine Gerüche wahrgenommen wurden, erklärlich durch eine längere Dauer der Abbauprozesse und begrenzt abbaufähige Stoffe, so dass die Konzentration der Pyrolyseprodukte ebenfalls abnimmt. Die gasförmigen Verbrennungsprodukte können einerseits durch Verdichtung, Verfilzung und Zusammensacken des Stapels nicht oder nur geringfügig an die Oberfläche gelangen. Andererseits ist der Einfluss der Strömungsverhältnisse (Wind, Luftzug) zu beachten, da die austretenden Gase weggetrieben und somit nicht wahrgenommen werden können. Die Entstehung größerer, brennbarer Rauchgasmengen (z.B. Ammoniak) kann dazu führen, dass sich diese schlagartig entzünden, so dass die gesamte Mietenoberfläche auf einmal in Flammen steht. Es wird durch diese Verpuffung aber auch eine mechanische Kraft (Überdruck) erzeugt, die in der Lage ist, Zerstörungen am Bauwerk hervorzurufen. Auch in diesem Fall brachten vielfach Geschädigte oder Zeugen zum Ausdruck, dass sie eine Brandausbreitung beobachteten, als wenn das Erntegut mittels Benzin angezündet worden wäre und die Flammen liefen förmlich über die Mietenoberfläche. Irrtümliche Schlussfolgerung: Es liegt eine vorsätzliche Brandstiftung vor.
Einwirkung von Zündquellen auf brennbare Stoffe
Nach den Darlegungen zu den Natürlichen Brandursachen wird jetzt auf eine Kategorie eingegangen, deren Überschrift sich schwerlich auf eine Kurzform bringen lässt. Die hier gewählte Bezeichnung wird als solche in der Literatur auch nicht gefunden. Dahinter verbergen sich indessen aber keine neu entdeckten Brandursachen. Vollständiger müsste es unter diesem Gesichtspunkt heißen: "Einwirkung von Zündquellen auf brennbare Stoffe durch den Menschen". Im Prinzip werden hier alle Brandentstehungsmöglichkeiten subsumiert, die nicht in die Rubriken natürliche oder technische Ursachen zu fassen sind. Unter einer natürlichen oder technischen Brandursache kann sich jeder Mensch etwas vorstellen. Wie lassen sich jedoch Brandursachen verbalisieren, bei denen das Feuer durch das alleinige Verschulden des Menschen entstanden ist? In "Schadenprisma 1/97“, S. 16, wird treffend konstatiert, dass der Mensch als "brandbegünstigendes Individuum" eine entscheidende, wenn nicht gar eine schicksalhafte Rolle spielt.
Kommt es z.B. zu einem Isolationsfehler auf Grund von Materialfehlern oder -ermüdungen, wird umgangssprachlich gesagt, "dass man da nicht drin steckt". Trotz der modernsten Sicherheitseinrichtungen, werden sich auch technisch bedingte Brände nicht völlig abschaffen lassen. An dieser Position muss ganz klar herausgestellt werden, dass bei allen unter Technischen und Natürlichen Ursachen erläuterten Brandentstehungsmöglichkeiten der Mensch niemals völlig rollenlos sein kann. Vermeidbar sind aber auf jeden Fall vorsätzlich mit einem Streichholz in einer Scheune oder einem Stall gelegte Brände. Oder derartige, die mittels Brandsätzen jeglicher Art verursacht werden oder solche, die durch grobe Missachtung von einfachsten Sicherheitsregeln entstehen. Da der Mensch als Individuum mit sehr vielschichtigen Charakteren, Kenntnissen und Fähigkeiten in Erscheinung tritt, ist er selbst die Schwachstelle und wird zum "fahrlässigen" oder "vorsätzlichen" Brandstifter.
Unsachgemäße Anwendung von E-Geräten
Im Umgang mit elektrischen Geräten besteht noch eine weitere, aber nicht unbedingt letzte Möglichkeit des unsachgemäßen Umganges oder Gebrauches mit diesen Apparaturen. Erinnert sei an den Ausgangspunkt des Abschnittes, dass der Mensch durch sein Fehlverhalten die Ursache setzt. Hier sind der Phantasie im Prinzip keine Grenzen gesetzt. Dies wird in der Praxis überdies durch sehr viele Negativbeispiele bestätigt.
Bei einem unsachgemäßen Gebrauch eines elektrischen Gerätes sind zum Beispiel folgende Variationen denkbar:
- Benutzung eines Gerätes trotz vorliegenden Defektes o. a. Mängel,
- Benutzung des Gerätes trotz falscher elektrischer Installation,
- Betreiben des Gerätes trotz fehlerhafter Aufstellung, Anbringung oder Installation,
- Benutzung des Gerätes mit unzulässiger elektrischer Absicherung,
- zu langes Betreiben des Gerätes…
Typische Spuren und Nachweis
Wenn ein elektrisches Gerät so benutzt oder betrieben wird, dass von einem unsachgemäßen Gebrauch gesprochen werden kann, hinterlässt dies nicht zwangsläufig eine große Anzahl von typischen Brandspuren, wie bei anderen Ursachen. Es trifft hier oftmals der kriminalistische Begriff der Situationsspuren zu, die nachzuweisen sind. Welche Spuren anzutreffen sind und wie der Nachweis angetreten werden kann, wird nachstehend erläutert. Unter einem unsachgemäßen Gebrauch eines elektrischen Gerätes, wird im konkreten Fall verstanden:
- unbeaufsichtigtes Betreiben von Heizdecken und- , Heizkissen, Bügeleisen u. ä. Wärmegeräten,
- Betreiben eines Fernsehgerätes, dessen Bild ständig zusammenfällt,
- Betreiben eines schleifenden Lüfters oder Heizlüfters, * instabile Aufstellung von Heiz- oder Beleuchtungsgeräten, in deren Folge diese herunterfallen,
- Betreiben von Beleuchtungsgeräten unter Missachtung der zulässigen Leistungsaufnahme der Fassung,
- Betreiben von selbstgebauten oder selbst reparierten elektrischen Geräten.
Aus dieser beispielhaften Aufzählung ist abzuleiten, dass bei der Erfassung der Spurenlage auf alle vorhandenen elektrischen Geräte, deren Typenschilder, Kabel, Verteilerdosen, Steckdosen und deren Relikte, Schalterstellungen, Aufstellungsorte, Aufstellungssituationen und Zustände von Sicherungen zu achten ist. Werden an benutzten Geräten, die sich zudem an der BA-Stelle befinden, Defekte oder andere gravierende Mängel festgestellt, die schon vor vom Brand bestanden haben müssen, ist dies ein weiteres Indiz für diese Ursache, genauso wie selbstgebaute Geräte. Ebenso sprechen fehlerhafte Verlegungen von elektrischen Geräteschnüren dafür. An vielen Brandorten muss mit Erschrecken festgestellt werden, mit welcher Leichtfertigkeit diese Schnüre achtlos in den Trittbereichen verlegt werden und quer durch die Wohnräume führen. Eine Überbeanspruchung und mechanische Abnutzung und damit Verschlechterung der Isolation oder Herbeiführung von Kabelbrüchen ist dadurch vorprogrammiert.
Durchgebrannte Kochtöpfe oder ähnliche Gefäße, geschmolzene Tauchsieder oder ausgeglühte Kochplatten sprechen ebenfalls Bände und deuten auf einen unsachgemäßen Gebrauch hin. An der Brandstelle sollte auch geprüft werden, ob die betriebenen elektrischen Geräte vorschriftsmäßig abgesichert sind…
Befinden sich Lampen in ungewöhnlicher Lage, ist deren ursprüngliche Anbringung zu erforschen und zu prüfen, ob diese infolge des Brandes herunterfielen oder primär dadurch den Brand verursachten. Es sind der Kolbenradius, die Glasdicke und die Beschaffenheit der Wendeln zu ermitteln. Im Labor werden die Leistung und Aussagen über den Betriebszustand der Glühlampe ermittelt. Dazu werden alle Reste, die von einer Glühlampe stammen könnten, gesichert, verpackt und der entsprechenden Untersuchungsstelle zugeführt…Auch an Kühlgeräten kann es durch unsachgemäßen Betrieb zu Bränden kommen. Eine unfachmännische Aufstellung durch zu geringen Abstand zur Wand begünstigt in extremen Fällen einen Wärmestau an der Rückfront des Kühlgerätes, wo in der Regel Kühlgitter angebracht sind. Der Aufstellort des Kühlgerätes ist deshalb zu rekonstruieren, falls der Standort verändert wurde, um den Abstand vermessen zu können. In der Regel reichen wenige Zentimeter Platz aus, um den Erfordernissen des Herstellers zu entsprechen…
Brände durch Zigarettenglut und den Umgang mit nachglühenden Stoffen
Die Zahl der Brände, welche durch den fahrlässigen Umgang mit nachglühenden Stoffen verursacht werden, wobei darunter hauptsächlich das Hantieren mit Zigaretten, Zigarren, Zigarettenresten ,-glut und -asche und mit Tabakpfeifen, aber auch mit heißer Ofenasche und ähnlichen glühenden oder nachglühenden Materialien verstanden wird, nimmt in der Brandursachenstatistik einen der vorderen Plätze ein.
Es ist auch eine unumstößliche Tatsache, dass viele Brände durch die Ursache "Rauchen" ausgelöst worden sein sollen, dieser Fakt aber nur als These im Raum stand und letztendlich nur unbefriedigend oder gar nicht bewiesen werden konnte. Ein typisches Beispiel hierfür sind Waldbrände. Es ist vielfach zu vernehmen, dass ein Feuer durch den vermeintlichen fahrlässigen Umgang mit Zigarettenglut ausgebrochen sei, weil keine Spuren für eine andere Ursache, möglicherweise die tatsächliche, gefunden werden konnten.
Fest steht auch, dass in unserem täglichen Leben bei vielen Menschen das Rauchen allgegenwärtig dazu gehört. Die besondere Gefahr beim Umgang mit Zigaretten liegt wohl darin begründet, dass sich über viele Stunden ein unbemerkter Schwelbrand entwickeln kann. Hieraus resultiert wiederum die Schwierigkeit, mehr als bei anderen Brandursachen, die Korrelation zwischen Brandverursachung und Brandausbruch beweissicher herzustellen. Eine andere nicht zu unterschätzende Gefahr liegt für Brandbetroffene nicht in der Flammenhitze selbst, sondern in der Bildung giftiger Schwelgase. Viele Opfer erleiden deshalb eine letale Rauchgasintoxikation und verbrennen nicht bei lebendigem Leibe [siehe auch 4.2.7.2. Einwirkungen von Bränden auf den Menschen, c) Wirkung von Rauchgasen], wobei es zweitrangig ist, ob der Rauch von einer Zigarette oder noch heißer Ofenasche, die in einem brennbaren Behältnis gelagert wurde, herrührt. Die falsche Lagerung der Asche einer Kohlenheizung wird nur dort interessant, wo noch herkömmlich mit Brikett, Koks oder Holz geheizt wird. Heutzutage sind neben Gas- und Ölheizungen verstärkt alternative Energiequellen wie z. B. Solarzellen, Windenergie, Erdwärme und Biowärme präsent. Es bestehen aber auch noch genügend Wohneinheiten, die mit Öfen oder durch Heizhäuser mittels Kohle erwärmt werden. Andererseits ist der Trend zur Aufstellung von Kaminöfen nicht zu übersehen.
Vorgehen am Brandort
Hier können Wohnzimmer, Küchen und Schlafräume den Brandraum darstellen. Aber auch in anderen Gebäuden wie in Gaststätten, Hotels, Theatern oder Diskotheken kommt es gelegentlich zu Feuersbrünsten mit Personen- und Sachschäden, welche durch eine Zigarette oder falsche Lagerung der Überreste einer Rauchware oder sonstiger Asche entstanden sind. An anderen Örtlichkeiten, wie Heizhäusern, Plätze von Müllbehältnissen im privaten Wohnsektor und Treppenhäusern, in denen Aschebehälter abgestellt waren, sind gleichfalls schon oft genug Brände ausgebrochen. Beim Umgang mit brennbaren Flüssigkeiten oder Gasen und gleichzeitigem Rauchen entstehen gelegentlich ebenfalls Brände oder gar Explosionen. Brände durch Zigarettenglut werden vornehmlich durch Raucher verursacht, in den seltensten Fällen durch Nichtraucher, welche mit dem Aufräumen der unheilvollen Utensilien beschäftigt waren.
Typische Spuren
Die brandauslösende Zigarette, welche Laien meist vorzufinden erwarten, wird durch das Feuer vernichtet sein, so dass diese nicht mehr aufspürbar ist. Sonderfälle wären ein rechtzeitig bemerkter Entstehungsbrand oder ein von selbst verloschenes Feuer, bei denen das vermeintliche „corpus delicti“ noch zu finden ist.
Es müssen bei derartigen Bränden also die Gesamtumstände, sämtliche Spuren sowie die Abbranderscheinungen komplex betrachtet und in Einklang gebracht werden. Wenn sich in nicht zerstörten Bereichen und Räumen an der Brandstelle, Rauchwaren und dazugehörige Utensilien befinden, ist dies ein erstes Indiz. In einer Nichtraucherwohnung kann diese Ursache wohl ausgeschlossen werden. In Räumen, in denen jedoch viel geraucht wird und Zigaretten, Zigarettenreste und Asche ungeordnet und/ oder auf dem Fußboden herumliegen, sich auf den Teppichen und Möbeln schon alte Brandflecken befinden und die Müllbehältnisse von Zigarettenasche überlaufen, sind entsprechende Schlussfolgerungen legitim. Andererseits muss auch beachtet werden, dass eine Zigarette oder deren Glut, schon aus mechanischer Sicht, nicht an jede Stelle in einem Raum gelangen kann. Daraus können sich aber auch besondere Gefährdungen ergeben, denn erfahrungsgemäß fällt die Zigarettenasche unkontrolliert und unbemerkt überall dorthin, wo sich Personen aufzuhalten pflegen, auch wenn viele Raucher meinen, dass ihnen dies nicht passieren kann. Die traurige Praxis tragischer Brände beweist das Gegenteil.
Durch eine Zigarette erfolgt überwiegend eine Punktzündung an der BA-Stelle. Sie hinterlässt im Falle einer geringen Zerstörung Einbrennungen auf Flächen entsprechend der Kontur einer Zigarette. Interessant ist auch die von POHL in [52] beschriebene Erkenntnis, dass ein Inbrandsetzen von brennbaren Stoffen durch eine glimmende Zigarette nur selten möglich ist. Die offene Glut ist bei einer Zigarette nur wenige Sekunden sichtbar und wird anschließend von der sie umgebenden Asche isoliert, so dass die Zündfähigkeit erheblich herabgesetzt, aber nicht ausgeschaltet ist. Die über einen Zeitraum von etwa 20 Minuten zündfähig vorhandene Glut kann dennoch entzündliche Stoffe thermisch belasten und sie allmählich unter Bildung von Pyrolysegasen zersetzen, wobei diese gasförmigen Zersetzungsprodukte oft eine noch leichtere Entzündbarkeit aufweisen und den Ablauf der Wärmefreisetzung beschleunigen können…
Wenn der Brand größere Ausmaße angenommen hat, stellt der Brandermittler charakteristische Einbrennungen oder Brandtrichter in der Nähe von Schlaf- und Sitzmöbeln unter Ausschluss von anderen Ursachen fest. Diese können auch dergestalt sein, dass das Möbelstück oder sogar der Fußboden von unten angebrannt ist, da die Glut unbeobachtet auf denselbigen unter das Mobiliar oder durch größere Spalten in der Dielung fallen konnte. Bei Schlafstätten ist es oftmals das Kopfende entsprechend der Liegegewohnheit der betreffenden Person, welches die ausgeprägtesten Einbrennungen aufweist.
Technische Brandursachen
Zur letzten und dritten großen Gruppe werden die technischen Brandursachen gezählt, die ein relativ umfassendes Gebiet implizieren. Wie die Praxis lehrt, entstehen durch die verschiedensten Wirkungen des elektrischen Stromes eine Vielzahl von Bränden, welche sich durch ausreichende Präventivmaßnahmen verhindern oder wenigstens minimieren ließen. Brände werden zum anderen durch technologische Prozesse, mechanische Abläufe und physikalische Vorgänge induziert. Hier können z.B. Reibungsprozesse die ursächliche Rolle spielen. Zu dieser Gruppe werden darüber hinaus noch die Brände gerechnet, welche im engen Zusammenhang mit Heizungs- und Schornsteinanlagen stehen. Nach Unfällen, betrieblichen Störungen und Havarien können ebenfalls Brände auftreten. Dem Leser muss klar sein, dass bei einer erklärten technischen Ursache nicht regelmäßig ein "reiner Unglücksfall" vorliegen muss, welcher unvermeidbar gewesen ist und an dem niemand die Schuld trägt. Die Prüfung strafrechtlicher Verantwortlichkeit, eine grundlegende Aufgabe der Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei, ist also nicht von Beginn an ausgeschlossen. Gerade wegen der Spezifik dieser Ursachen und der Komplexität der Vorschriften, die verletzt worden sein können, sind gewissenhafte Untersuchungen notwendig.
Geräte- und Materialfehler
Entsprechend der Gliederung über die Brandursachen in Tabelle 3 werden auch allgemeine oder auf Grund hoher Zerstörung nicht näher zu ermittelnde Defekte von elektrischen Geräten und allgemeine Materialfehler auf dem Sektor der Elektrotechnik als brandexponiert angesehen, da die verschiedensten Probleme auf diesem Gebiet immer wieder zu Schadensfeuern geführt haben. Wenn der brandauslösende Fehler durch schnelles Bemerken des Feuers noch genau lokalisiert werden kann, wird dieser möglicherweise einer anderen konkreten Brandursache (z.B. Fehler bei der Installation durch Laienarbeit) zugeordnet werden können. Sobald eine hohe Zerstörung eine genaue Beurteilung des Problems nicht mehr zulässt, sollte das Brandschadensereignis zu der allgemein gefassten Ordnungsgruppe "Geräte- und Materialfehler" gezählt werden, insofern dafür auch ein Anfangsverdacht vorliegt…Eine vollständig Aufzählung aller nur denkbaren Brandursachen bzw. in diesem speziellen Fall, aller vorstellbarer Geräte- und Materialfehler ist ohnehin nicht möglich. Bei einer sehr weit gefächerten Produktpalette in der heutigen Konsumgesellschaft ist immer damit zu rechnen, dass Produkte, Gerätschaften und sonstige Konsumgüter geringfügige Fehler aufweisen, schwere Sicherheitsmängel zu registrieren sind oder aber dass sie in ihrer Funktion unerwartet vollständig versagen. Dabei kann es auch zu Unfällen, Havarien und Schäden mit oder ohne Brandfolge kommen. Elektrische und elektronische Geräte sind aber auch stark beanspruchte Gerätschaften, weil sich innerhalb eines kleinen Raumes eine Fülle von Bauteilen befindet. Abgesehen von den bereits genannten Fehlern an der Isolation oder bei Installations- und Wartungsarbeiten besteht eine weitere elektrische Gefahrenquelle, demzufolge ebenso in mangelhaft hergestellten elektrischen Geräten oder fehlerhaften und in Elektroanlagen verwendeten Materialien, während diese beiden Problemsäulen nicht strikt voneinander zu trennen sind. Fehler oder Probleme können bei Neuentwicklungen dadurch auftreten, indem Technik und Technologie noch nicht völlig ausgereift sind, aber dennoch auf den Markt gelangen. Dies muss nicht zwangsläufig einen Widerspruch darstellen. Mitunter schleichen sich in nachfolgenden Produktionsserien Fehler ein, die erst später bemerkt oder technisch nicht sofort beherrscht werden. Sollten gefährliche Situationen auftreten, werden die Mängel im Rahmen von Rückrufaktionen durch den Hersteller behoben oder die Erzeugnisse ausgetauscht… Eine fachlich qualifizierte Brandortarbeit mit anschließender schlüssiger Beweisführung in Zusammenarbeit mit Technikern und Praktikern, kann zukünftige Personen- und Sachschäden minimieren oder verhindern, auch wenn ein Versagen von elektrischen und elektronischen Geräten bei gleichzeitigem ordnungsgemäßen Gebrauch durch den Menschen nie hundertprozentig ausgeschlossen werden kann.
Vorgehen am Brandort
Die Brandstellen, bei denen mit elektrischen Geräte- und Materialfehlern zu rechnen ist, sind weit gefächert, da im Prinzip überall mit dem Auftreten einer elektrischen Versorgung zu rechnen ist.
Der Ermittler kann auf Brandstellen stoßen, welche sich in größeren Fabrikanlagen, kleineren Werken, Lagergebäuden, in Räumen des mittelständischen Gewerbes oder im privaten Wohnbereich befinden. Möglich sind auch Brandobjekte, bei denen es sich um mobile Arbeitsmaschinen oder Kraftfahrzeuge handelt, die außerhalb belebter Gebiete, wie in Wäldern, auf Feldwegen und auf Äckern untersucht werden müssen, da sie dort in Brand geraten sind. Demnach gestaltet sich auch die Organisation der Brandortuntersuchung. Bei der Inspektion einer Arbeitsmaschine, eines Kraftfahrzeuges oder eines anderen Gerätes auf einem Feld, im Wald u. ä. Terrain muss darauf geachtet werden, dass sich auch im weiteren Umfeld Spuren befinden können und diese möglichst nicht zerstört werden durch:
- a) Personen:
- Feuerwehr durch Löschmaßnahmen,
- Vernichtung von beweiserheblichen Spuren durch andere anwesende Personen,
- neugierige Personen aus Unvernunft und Unachtsamkeit.
- b) natürliche Einflüsse:
- Regen und Schnee,
- Wind und Staub,
- Tiere.
Handelt es sich bei dem zu untersuchenden Brandobjekt um eine Arbeitsmaschine, Kfz. o. ä. ist der konkret zu untersuchende Bereich in vielen Fällen relativ eng eingegrenzt, wenn es sich um einen Geräte- oder Materialfehler handelt. Die BA-Stelle kann sich z. B. innerhalb eines Teiles des Gerätes unter einem Gehäuse befinden. Dennoch muss der gesamte umliegende Brandbereich genauestens untersucht werden, um Zusammenhänge zur eigentlichen Brandursache und möglicherweise noch bestehende, andere Fehlerstellen nicht zu übersehen. Andererseits kann es sich um Brandstellen handeln, die sich kaum von anderen unterscheiden und die Brandortarbeit wird nach erledigter Spurensuche und Tatort-Dokumentation beendet. Hierbei können durchaus einige Brandspuren gefunden und gesichert worden sein, bei denen ein Zusammenhang zu einer definierten Brandursache vermutet wird. Genauere Ergebnisse sind in diesem Fällen erst nach weiteren, speziellen Untersuchungen durch Experten zu erwarten.
Typische Spuren
Wie eingangs erwähnt, sind die vielfältigsten Brandorte, mit ebenso zahlreichen Gerätschaften und Materialien, die brandverursachende elektrische Mängel aufweisen können, zu erwarten. Demnach weist das Feld der Fehler, Schwachstellen oder brandtypischen Spuren, mit denen zu rechnen ist, ein weites Spektrum auf. Aus der Praxis sind einem Brandermittler deshalb die mannigfaltigsten Gefährdungssituationen, spezifischen Spuren o. ä. diesbezügliche Indizien bekannt, die hier nur auszugsweise aufgezählt werden können.
a) Lampen
- Zerbersten von heißen Glühlampen oder Halogenstrahlern ohne fremde Einwirkung mit anschließende Herabfallen von Teilen auf brennbare Stoffe,
- Versagen von Beleuchtungsstartern mit Brandfolge,
- Windungsschluss an Drosseln mit übermäßiger Erhitzung,
- explosionsartige Zerstörung von Kondensatoren, Brandausbreitungsgefahr besteht bei brennbaren Füllungen.
b)Kühlgeräte:
- Versagen von Thermostaten und/ oder verkleben der Kontakte,
- Heizdrähte, die mit dem Isoliermaterial in Kontakt kommen, bilden ein zündfähiges Dampf-Luft-Gemisch, welches durch einen Funken bei Geräten mit automatischer Abtauvorrichtung zur Explosion gebracht werden kann,
- unzureichende Dimensionierung von Temperaturwächtern.
c) Heizlüfter:
- Durch Konstruktionsfehler werden brennbare Materialien verwendet,
- Defekte Programmsteuerungen und Heizstäbe können Brände erzeugen,
- Ausfall des Ventilators mit anschließender Überhitzung der Heizdrähte,
- Lösen von Heizstäben mit nachfolgender Gehäuseerhitzung o. a. Teile.
- d) Heizdecken:
Bruch von Heizdrähten, (aber auch i. V. mit unsachgemäßem Gebrauch und defekter Regler… Diese typischen Fehlerquellen und Schwachstellen an elektrischen Geräten werden sich nur finden und nachweisen lassen, wenn der Brandfahnder von ihnen detaillierte Kenntnis hat. Auf Grund dieser zu erwartenden Spurenlage ist es dem BU dann möglich, die tatsächlich zutreffende Brandursache näher einzugrenzen, um in der Folge den schlüssigen Nachweis anzutreten…
Elektrostatische Funken
Hierbei handelt es sich um eine besondere, auf der Basis von Reibungs- und Trennvorgängen entstehende Funkenart, die unter bestimmten Voraussetzungen brand- oder explosionsgefährlich ist. Es ist also nicht nur theoretisch möglich, sondern es kommt in der Praxis in unterschiedlicher Häufigkeit vor, dass Brände oder Explosionen durch elektrostatische Entladungsfunken initiiert werden. In der staubverarbeitenden Industrie werden etwa 9 % der Explosionen durch statische Elektrizität verursacht. Weil es sich aber um eine latente Gefährdung handelt, kann diese einerseits unterschätzt werden, aber im anderen Fall, bei Beweismangel oder wegen falscher Schlussfolgerungen in der Brandermittlung als glaubhaft erscheinende Ursache dienen…
Kommt es zur Berührung zweier Körper jeglicher Form und Art, erfolgt prinzipiell ein Ladungsaustausch. Dabei spielen Intensität, aufgewendete Arbeit und Dauer der Berührung zunächst keine Rolle. Aus den normalerweise elektrisch neutralen Atomen des Stoffes treten an der gemeinsamen Grenzfläche der Stoffe Elektronen zum anderen Körper über. Der Stoff, dem Elektronen entzogen werden, hat einen Überschuss an positiven Teilchen und ist somit positiv geladen. Eine Mehrzahl an Elektronen bedeutet negativer Ladungszustand. Nach der COEHNschen Regel lädt sich der Stoff mit größeren Dielektrizitätskonstanten positiv auf.
Definition: Eine elektrostatische Aufladung ist ein Prozess, bei dem ein Ladungsaustausch während der Berührung zweier Körper erfolgt und sich nach dem Trennen dieser Körper die unterschiedlichen Ladungszustände in den Atomen nicht ausgleichen können.
Während des Aufladevorganges kann die gesamte, ein Teil oder auch keinerlei Ladung bereits wieder abgeführt werden, abhängig von den elektrischen Ableitmöglichkeiten. Wenn sich Ladungsträger gerichtet bewegen, spricht man von elektrischem Strom, der bei elektrostatischen Vorgängen im Gegensatz zur Spannung (10.000-15.000 V) gering ist. Damit Elektronen aus ihrem Atomverband austreten können, muss eine definierte Elektronenaustrittsarbeit aufgewendet werden. Grundsätzlich gilt, dass Alkali- und Erdalkali-Elemente die kleinsten Werte aufweisen.
Bei geladenen Teilchen wirken Kräfte aufeinander, die als elektrisches Feld bezeichnet werden. Das Feld ist nicht sichtbar und wird durch Feldlinien dargestellt, die den Weg beschreiben, auf dem sich mit dem geringsten Energieverlust die Ladungen ausgleichen würden. Befinden sich nicht aufgeladene Stoffe im Wirkungsbereich eines elektrischen Feldes, können diese durch die Kraftwirkung des Feldes aufgeladen werden. Dieser Vorgang wird auch als Influenz bezeichnet.
Kommt es bei Feststoffen zu Aufladungen, fließen die Ladungen sofort wieder ab, wenn es sich um elektrische Leiter handelt. Einflussfaktoren auf die Höhe der Aufladung sind die physikalischen und chemischen Eigenschaften, die elektrische Leitfähigkeit, Temperaturen, Geschwindigkeit der Vorgänge, Dielektrizitätskonstante und Oberflächenstrukturen.
Eine Sonderform der Feststoffe stellen Schüttgüter wie beispielsweise Granulate (Plastik, Gummi, Dünger), Pulver (Zucker, Mehl, Kohle, Metalle), Stäube und Nebel dar. Auf die Höhe der Aufladung haben hier nun die Partikelgröße und -form, die äußeren klimatischen Bedingungen, die Charakteristik des Stoffes und die Trenngeschwindigkeit Einfluss. Eine gefährliche Entladung ist hier komplizierter, da sich zwischen den Partikeln das Trägergas, in der Regel Luft, befindet.
Gase sind grundsätzlich nicht elektrostatisch aufladbar. Führen Gasströme in Rohrleitungen jedoch Partikel in Form von Staub, Verschmutzungen, Flüssigkeitströpfchen o. ä. mit sich, kann es zu Aufladungen kommen, die meist ungefährlich sind.
Es muss bei der Ursachenforschung beachtet werden, dass zwischen gewollten und ungewollten Aufladungen existierenunterschieden wird. Bei solchen Arbeitsprozessen wie dem Pulverbeschichten und beim Elektrofiltern ist die Aufladung erwünscht. Bei einer Vielzahl von weiteren Arbeitsprozessen ist die elektrostatische Aufladung zum Beispiel für die Anlagerung von Flüssigkeiten (z.B. Versprühen von Pflanzenschutzmitteln, Farbspritzen) an bestimmte Gegenstände erwünscht und wird somit bewusst herbeigeführt.
Die größte Gefahr geht von der Zündmöglichkeit explosibler Dampf- oder Gas-Luft-Gemische durch Funken ungewollter, elektrostatischer Entladungen aus. Es ist aber auch der Fall denkbar, dass Funkenentladungen in begrenztem Maße in Kauf genommen werden, aber die Maßnahmen zur Beseitigung der Explosionsgefahr unzureichend waren. Eine Explosion tritt jedoch nur dann ein, wenn sich die Gemische innerhalb des Explosionsbereiches befinden, die Energie der Funken die Mindestzündenergie erreicht und ein Ladungsausgleich von statten gehen kann.
Vorgehen am Brandort
In folgenden, beispielhaft aufgezählten Betriebsstätten oder durch bestimmte Prozessabläufe kann es zu gefährlichen, elektrostatischen Auf- und Entladungen kommen, so dass diese für den Brandermittler zu einer Einsatzstelle werden können:
- 1) in der chemischen Industrie; Papierindustrie, Holzindustrie,
- 2) Metallbearbeitung,
- 3) Herstellen und verarbeiten von Gummi, Kunst- und Beschichtungsstoffen,
- 4) beim Pulverbeschichten und Sandstrahlen,
- 5) beim Abwickeln von Papier, Folien und Gewebe; Papierbeschichtungsanlagen,
- 6) beim Sieben und Mahlen in Mühlen; bei Mischanlagen, Wirbelschichttrocknern und Siebmaschinen,
- 7) in der Kohlegewinnung und –verarbeitung,
- 8) beim Ausströmen, Filtern oder Zerstäuben von Flüssigkeiten,…
Wegen der Vielzahl technischer Abläufe und technologischer Prozesse können natürlich nicht alle in Frage kommenden oder gefährdeten Bereiche aufgelistet werden. Bei den meisten Transportprozessen und vielen physikalischen und mechanischen Operationen in Industrie, Gewerbe und im täglichen Leben spielen Trennvorgänge eine Rolle, die zu elektrostatischen Aufladungen führen. Daraus ergibt sich für den Brandfahnder, dass sich aus jeder neuen Brandstelle eigenständige Anforderungen, spezifische Gefährdungsmomente und weitere Besonderheiten ergeben können. Feste Stoffe sind aufladbar, wenn der Oberflächenwiderstand mehr als 109 Ohm beträgt. Die Leitfähigkeit bei Flüssigkeiten muss für diesen Fall weniger als 10-8 S/m betragen. Aufladbar sind auch alle leitfähigen Teile oder Stoffe, die nicht geerdet sind. Nicht aufladbar sind dagegen feste und flüssige Stoffe, welche die genannten Werte unterschreiten oder geerdete Werkstoffe. Da durch elektrostatische Entladungsfunken primär Explosionen ausgelöst werden können, ist an der Einsatzstelle sicherzustellen, dass sämtliche Explosionsgefahren vor Beginn der Arbeit tatsächlich beseitigt sind. Sind bestimmte technische Vorgänge oder Abläufe nicht abgestellt oder unterbrochen worden, kann es zu erneuten Auf- und Entladungen mit weiterem Schadeneintritt kommen. Die hauptsächliche Nachfolgegefahr geht ohnehin von nicht beseitigten, explosiblen Gas- oder Staubgemischen aus, denn elektrostatische Auf- und Entladungen können durchaus infolge von notwendigen Handlungen an der Brandstelle verursacht werden.
Typische Spuren
Ausgehend von der Tatsache, dass elektrostatische Funken in den seltensten Fällen feste Stoffe zur Entzündung bringen, sondern meistens gasförmige Gemische (Dampf- Luft; Gas- Luft) schlagartig reagieren, gestaltet sich das Spurenbild wie bei einer Explosion, deren Stärke und Ausmaß unterschiedlich sein können. Die Entladung statischer Elektrizität kann über Funken oder Lichtbögen in partiellen Bereichen erfolgen und sich als Raumexplosion fortsetzen. Hierbei muss die Entladungsenergie über der Mindestzündenergie des Gemisches oder Stoffes liegen.
Die Explosion selbst ist noch kein Anzeichen für eine elektrostatische Entladung als Auslöser, jedoch fallen diese Funken in die engere Wahl der Zündmöglichkeiten. Die Wirkung der Explosionswolke kann durch Rohre, Öffnungen und Druckentlastungseinrichtungen eine bestimmte Richtung aufweisen, so dass deren Austrittsstelle und damit der Ursprungsort erkannt werden kann.
Außerdem hinterlässt die Explosion und/ oder der eventuelle Nachfolgebrand Spuren der Zerstörung und Hitzeeinwirkung in Form von Verfärbungen (Anlauf/ Glühfarben) an metallenen Stoffen und die sonst üblichen Abbranderscheinungen...
Zunächst kann in Bereichen oder bei Arbeitsabläufen, die gefährliche elektrostatische Aufladungen hervorrufen, diese Ursache in die engere Wahl fallen. Typische Anzeichen für tatsächliche elektrostatische Entladungen, die dann später zündeten, können vor dem Ereignis stattgefundene Gas- oder Flüssigkeitstransporte oder die Ausbildung von Staubwolken kurz vor der Explosion oder dem Brand sein. Haben solche oder ähnliche Prozesse wie Bewegungsabläufe, Trennprozesse und Stofftransporte nicht stattgefunden, sinkt die Wahrscheinlichkeit dieser Ursache, da der vollständige Arbeitsablauf, welcher auch bereits vor dem Ereignis beendet worden sein kann, für den BU nicht sofort bis in alle Einzelheiten durchschaubar sein kann. Es bedarf also einer intensiveren Prüfung, ob Ladungen durch andere, nicht augenscheinliche Vorgänge, entstanden sein können.
Nachweis
Bei dieser Funkenart hingegen müssen überwiegend theoretische Überlegungen darüber angestellt werden, an welcher Stelle Zündmöglichkeiten bestanden haben und wo elektrostatische Aufladungen und somit Entladungen auftreten konnten. Andererseits muss es sich nicht automatisch um die tatsächliche Zündquelle handeln, auch wenn durch die Arbeitsprozesse elektrostatische Aufladungen aufgetreten sind und im Betriebsregime bekannt waren. Was sich so einfach anhört, kann umfangreiche Suchmaßnahmen an der Brandstelle und komplizierte theoretische Überlegungen, Messungen und Berechnungen umfassen, die am besten ein Spezialist durchführt. Ein Teil der Beweisführung umfasst die Berechnung der maximalen Energie der Entladung, die Bestimmung der elektrostatischen Neigung des betreffenden Stoffes, wofür der elektrische Widerstand herangezogen wird und die Bestimmung der Mindestzündenergie… Betriebsverantwortliche sind über den generellen, technologischen Ablauf einschließlich der ausgewiesenen Gefährdungspunkte und die Beschäftigten detailliert über deren Handlungen kurz vor dem Schadeneintritt zu befragen. Hierzu gehört auch die Feststellung über Bekleidung und Schuhwerk, wenn die Entladung in der Nähe von Beschäftigten oder anderen Personen erfolgte… Für Anlagen der Ableitung elektrostatischer Aufladungen gelten bestimmte Prüffristen, deren Einhaltung kontrolliert wird, wenn diese Ursache zutrifft.
Zusammenfassung (am Ende des Buches)
Im vorliegenden Buch wurden neben einigen seltenen Zündquellen, vor allen Dingen jene Brandursachen vorgestellt, die in der Praxis eines Brandermittlers am häufigsten auftreten und das Erscheinungsbild des "Brandalltages" prägen. Die Abhandlungen beinhalten einerseits allgemeine Erläuterungen zur umfassenden Veranschaulichung der Brandursachen und weiterhin Darlegungen über die Aussichten des Erkennens und der Verifikation, welche mit Beispielen untermauert wurden. Somit ist das Buch nicht nur eine solide und sinnvolle Arbeitsgrundlage für Brandermittler und solche, die es werden wollen, sondern auch ein wichtiges Hilfsmittel für im "Ersten Angriff" tätig werdende Polizisten, für Einsatzleiter und Kameraden der Feuerwehr, für Sachverständige von Versicherungen, Berufsgenossenschaften, Sicherheitsmanager, Staatsanwälte, Richter und sonstige interessierte Menschen.
Es wird dem Leser durch die Darstellung von allgemeinen Spuren und brandspezifischen Merkmalen, mögliche Anleitungen für das Vorgehen an einer Brandstelle in die Hand gegeben, mit der das Auffinden einer Brandursache erleichtert wird.
Durch das vorstehende Gesamtwerk soll es möglich sein, die Ursache des eingetretenen Brandes, der Havarie, der Explosion oder sonstigen, ähnlichen Schadens zu erkennen. Die Arbeitsweisen eines Brandursachenermittlers, die zu deren Erkennung führen, werden detailliert erklärt. Eine intensive Zusammenarbeit mit anderen Experten nach einem Brand- oder Störfall bietet sich sehr oft an. Die Ausführungen können durch die einem Brand innewohnende Charakteristik aber nie Anspruch auf Vollständigkeit erheben und Arbeitsmethoden lassen sich an der Brandstelle auch nicht dogmatisch abarbeiten. Brandgefährliche Situationen oder Gefahrenmomente für alle Beteiligten wurden ebenfalls dargelegt. Aber betriebliche oder technologische Gefahrenanalysen zu erstellen, wird den Sicherheitsingenieuren in den jeweiligen Industriezweigen oder Betrieben oder anderen Fachgremien überlassen und bedarf ohnehin einer ständigen Aktualisierung. Jeder Brandfall ist mithin für sich interessant und bringt oftmals neue Erkenntnisse, so dass auch Brandspezialisten aus diesem Fundus schöpfen und evtl. Anregungen und Gedanken für ungelöste Brandfälle finden können.
Im Jahr 2004 erschien beim Boorberg Verlag, Stuttgart das Fachbuch zum Thema Brandursachenermittlung mit dem Titel "Die Ermittlung von Brandursachen" ISBN 3-415-03161-6

