Leinöl
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Leinöl (Leinsamenöl) ist ein Pflanzenöl, das aus Leinsamen, den reifen Samen von Flachs (Linum usitatissimum), gewonnen wird. Als Rohleinöl (rohes Leinöl) bezeichnet man Leinöl, dem keine anderen Öle oder sonstigen Stoffe zugesetzt sind. Neben dem Flachs werden auch andere Lein-Arten (Gattung Linum) zur Ölgewinnung verwendet.
Zusammensetzung[1][2] in %
- α-Linolensäure 48-58
- Ölsäure 13-24
- Linolsäure 14–22
- Palmitinsäure 4-6
- Stearinsäure 2-4
- Arachidonsäure 0-1
- andere Fettsäuren ca. 1
Nahrungs- und Heilmittel
Brötchen in Leinöl und Zucker dippen/ditschenLeinöl war früher ein beliebtes Hausmittel gegen Husten, bei einer Verbrennung (Medizin) und Magenbeschwerden. Seine heutige geringe Verbreitung hängt wohl mit der geringen Haltbarkeit und dem damit verbundenen gewöhnungsbedürftigen Geschmack zusammen. Leinöl ist sehr luftempfindlich, es schmeckt deshalb bereits nach kurzer Zeit bitter, während frisches Leinöl einen weniger ausgeprägten Geschmack besitzt. Es sollte nach dem Öffnen gekühlt aufbewahrt werden. Bei Aufbewahrung im Kühlschrank (ca. 4°C) stellt sich jedoch trotzdem nach 4-8 Tagen bitterer Geschmack ein. Aufgrund seines niedrigen Schmelzpunktes von ca. -16 bis -20°C kann Leinöl oft auch im Tiefkühlfach aufbewahrt werden, ohne fest zu werden. Es ist dann über mehrere Wochen ohne Geschmackseinbußen haltbar.
Leinöl enthält größtenteils (90% und mehr) ungesättigte Fettsäuren. Der hohe Gehalt an der dreifach ungesättigten α-Linolensäure (einer Omega-3-Fettsäure) kann einen positiven Einfluss auf chronische Entzündungen ausüben, da sie ein Konkurrenzsubstrat zur Arachidonsäure bei der Herstellung von im Entzündungsprozess wichtigen Eikosanoiden darstellt. Auch zur Krebsprävention und unterstützend in der Krebstherapie ist Leinöl durch die Alpha-Linolensäure und die Lignane wirksam. So bildet es auch die Grundlage der Öl-Eiweiß-Kost, einem alternativmedizinischen Ansatz der Krebstherapie. Leinöl verändert außerdem die Zusammensetzung der Magensäure und verringert so deren Aggressivität. Damit lässt sich bei regelmäßiger Anwendung die Ausbreitung beginnender Magengeschwüre eindämmen.
Insbesondere in der Lausitz und in Schlesien wird Leinöl in milchhaltigen Speisen wie Quark mit Kartoffeln bzw. Pellkartoffeln, Gurkensalat oder sauren Hering in Sahnesauce verwendet. Durch die Ölschicht auf den Milchspeisen werden diese nicht so schnell sauer, ein Umstand der früher im Sommer intensiv genutzt wurde.
Lausitzer Leinöl ist eine geschützte geographische Herkunftsbezeichnung.
Wegen der Bildung von Blausäure aus Inhaltsstoffen des Leinöls wird für die menschlichen Ernährung eine Beschränkung des Verzehrs auf 20 Gramm pro Tag empfohlen. Die in Leinöl enthaltenen cyanogenen Glykoside Linamarin und Lotaustralin können durch das Enzym Linamarase in Aceton, Blausäure und Glukose gespalten werden. Junge, grüne Leinschösslinge können bis zu fünf Prozent ihres Trockengewichts an Linamarin und Lotaustralin enthalten. Maximal 32 Milligramm Blausäure pro 100 Gramm Leinsamen können so freigesetzt werden. Da Linamarase im sauren Milieu des Magens inaktiviert sowie bei längerem Kochen ganz zerstört wird, wird bei der Nutzung für die Ernährung die Freisetzung der Blausäure weitgehend verhindert. Dennoch ist Leinöl wegen der Blausäurebildung in Frankreich und Portugal nicht als Lebensmittel zugelassen.[3]
Herstellung
Heiß gepresstes Leinöl wird ähnlich wie Kürbiskernöl hergestellt. Die getrockneten Leinsamen werden zu Mehl gewalzt, mit heißem Wasser vermengt und in einer Knetmaschine solange bearbeitet, bis eine feste, bröselige Masse entsteht, die unter Rühren geröstet wird. Anschließend wird das Öl in einer hydraulischen Presse von den Feststoffen separiert. Aus vier Kilogramm Leinsamen kann ein Liter Öl gewonnen werden. Diese Art Leinöl enthält einen hohen Anteil an Schleim- und Schwebestoffen und muss oft mit Lösemitteln verdünnt werden.
Kalt gepresstes Leinöl wird durch Pressung des Leinsamens durch eine Schneckenpresse gewonnen: Hierbei wird die Leinsaat im schonenden Kaltpressverfahren mit Hilfe einer Schneckenwalze bei geringem Druck durch einen Presszylinder gedrückt. Verschiedene Düsen am Ende des Auslaufs wie auch eine Veränderung der Pressgeschwindigkeit haben Einfluss auf den Ölertrag. Bei der Kaltpressung werden Öltemperaturen von maximal 40 °C erreicht. Leinöl aus erster Pressung, das zudem noch durch Filtern gereinigt wird, ist besonders dünnflüssig, dringt tief in Holz ein und konserviert deshalb besonders gut.
Bei der Pressung mittels Schneckenpresse fällt neben dem Leinöl noch der Presskuchen an. Da bei diesem Pressverfahren keine gefährlichen Lösemittel zur Extraktion eingesetzt werden, ist dieser Pressrückstand ein hochwertiges Futtermittel, welches besonders im Pferdesport gerne genutzt wird.
Farb- und Anstrichmittel
In der Malerei wird Leinöl neben anderen trocknenden Ölen (Mohnöl, Walnussöl) als Bindemittel verwendet. Leinöl war und ist noch immer das wichtigste Bindemittel für Ölfarben. Es wird von alters her in der Kunstmalerei, neuerdings aber auch wieder zur Holzkonservierung verwendet (z. B. Fachwerk, Fenster, Türen, Holzfassaden). Es ist wasserabweisend, aber dampfdiffusionsoffen und von daher auch im Außenbereich bei starker Wetterbelastung geeignet. Bei hohem Pigmentanteil sind besonders helle Farbtöne auch ein guter UV-Schutz. Leinölfarben können mit bis zu 10 Volumenprozenten kaltgepresstem Leinöl verdünnt werden. Runzel- und Rissbildung werden bei Bau und Handwerk durch mehrmaliges dünnes Aufbringen von Anstrichen und etwa zweitägiges Durchtrocknenlassen jedes einzelnen Anstrichs vermieden.
Aufgrund des hohen Gehalts an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (ca. 17 bis 23,5 % Ölsäure, 13,8 bis 17,5 % Linolsäure und 50 bis 60 % Linolensäuren) trocknen Leinöle gut auf und sind für die Zwecke der Malerei hervorragend geeignet. Die Trocknung ist ein oxidativer Polymerisationsprozess, der sich in Abhängigkeit von Sauerstoff, Licht, Temperatur und Zuschlagstoffen mit katalytischen Eigenschaften (Sikkative) über Jahre bis Jahrzehnte hinziehen kann. Dabei lagert sich an die Doppelbindung der ungesättigten Säuren Luftsauerstoff an und es kommt im Weiteren zu einem komplexen Ablauf chemischer Reaktionen, der die Vernetzung der einzelnen Moleküle zur Folge hat. Das polymere Endprodukt heißt Linoxyn und ist vielen auch als wesentlicher Bestandteil des Linoleums bekannt.
Über den chemischen Prozess hinaus ist für den (Öl-)Maler noch von Bedeutung, dass das Volumen von Ölfarbe durch die Oxidation (Aufnahme von Sauerstoff) zunimmt, in Gegensatz zu trocknender Acryl-Farbe, die von Volumen her beim Trocknen abnimmt. Das macht sich insofern bemerkbar, als bindemittelreiche Farbschichten darüber liegende bindemittelarme Farbschichten sprengen können. Es kommt dann zu typischer Rissbildung. Man kann sie daran erkennen, dass nur jeweils die obere Farbschicht gerissen und die darunterliegende unversehrt zu sehen ist. Das sind so genannte „Schwundrisse“ im Gegensatz zu „Altersrissen“, die bis zum Malgrund (Holzplatten oder Leinwand) durchgehen. Oft ist auch bei allzu hohem Bindemittelanteil ein „Speckigwerden“ zu beobachten. Gemeint ist, dass sich die Malschicht auf Grund ihrer Ausdehnung in Falten aufwirft, also Runzeln bildet. Dies ist zumeist in den dunkleren Partien von Bildern zu beobachten, da die gebräuchlichen dunklen Farbpigmente (braune Erden, Ruß oder Kohle) eine relativ geringe Teilchengröße aufweisen und dadurch einen höheren Bindemittelbedarf haben. Der Bindemittelbedarf eines Pigments wird durch die Ölzahl ausgedrückt. Die Ölzahl ist eine genormte Kennziffer, die beschreibt, wieviel Gramm Lackleinöl benötigt werden, um 100 g eines Pigments zu einer zusammenhaltenden, kittartigen Substanz anzuteigen.
Korrosionsschutzmittel
Schon im Mittelalter wurde Leinöl als Korrosionsschutzmittel für Rüstungen und Waffen verwendet (Brünieren). Man verwendete es auch früher im Fahrzeugbau und kehrt heute nicht nur in Oldtimerkreisen wieder zu dieser ungiftigen und lösemittelfreien Art der Konservierung zurück. Das Öl bildet eine wasserunlösliche Verbindung mit Fe3+-Ionen im Rost. Zusätzlich bildet das Öl nach dem Abbinden einen rissfreien Überzug. Durch den Zusatz von Bleioxid (Pb3O4) entsteht Bleimennige, ein klassisches Korrosionsschutzmittel, das selbst von modernen Rostschutzprodukten nicht übertroffen wird. Bei modernem Rostschutz mit Leinölfarbe wird statt des giftigen Bleioxids fast nur noch Eisenoxid verwendet, da die Verwendung des giftigen Bleioxids nur noch mit Ausnahmegenehmigung zulässig ist. Diese Eisenmennige ist ungiftig.
Leinöl zur Holzkonservierung
Leinöl ist ein natürlicher Holzschutz und wird seit Jahrhunderten für die Imprägnierung von Holz, Putz, Stuck, Mauerwerk und Terracotta verwendet. Auch unter Bogenbauern ist das Mittel sehr beliebt, da es die Poren des Bogenholzes verschließt, Wasser und Feuchtigkeit abweist und die Elastizität des Bogens noch einmal verstärkt.
Leinöl dringt ins Holz ein und polymerisiert im Innern des Holzes zu einer unlöslichen Verbindung. Dazu streicht man das Holz und lässt das Öl »trocknen«. Bei einem eventuellem 2. Anstrich nimmt man nach einigen Stunden noch nicht eingezogenes Öl mit einem Lappen ab oder verteilt es mit einem trockenen Pinsel. Besonders tief dringt reines, kalt gepresstes, rohes (nicht gekochtes) Leinöl ein, es eignet sich also am besten zum Grundieren. Gekochtes Leinöl hingegen eignet sich am besten für den Schlussanstrich und zur Farbenherstellung, da es schneller trocknet und stärker glänzt.
Um den Trockenvorgang (das heißt die Polymerisation) zu beschleunigen, wird Leinöl unter Luftabschluss verkocht. Dadurch entsteht eine anpolymerisierte Form des Öls, das sogenannte Hartöl. Werden diesem zusätzlich Trocknungsstoffe beigesetzt, erhält man Leinölfirnis. Eine solche Firnis dringt nicht so tief ins Holz ein und muss daher mit Lösemitteln (Terpenen) verdünnt werden. Der Holzschutz ist folglich nicht so wirksam wie mit unverdünntem, kaltgepresstem, rohem Leinöl.
Durch den Zusatz von Blei(II,IV)-oxid (Pb3O4) entsteht Bleimennige, ein klassisches, aber giftiges Holzkonservierungsmittel, das schon von den Phöniziern um 700 v. Chr. zur Konservierung von Schiffen sowohl innen als auch außen angewendet wurde. Dabei wirkt das Blei giftig und bewuchshemmend in der Außenschicht und als Fungizid im Innenbereich. Heute wird statt Bleioxid Eisenoxid beigegeben, was die ungiftige Eisenmennige ergibt, einen hochwirksamen roten Holz- und Korrosionsschutz.
Werden dem (vorzugsweise gekochten) Leinöl Pigmente beigegeben und gut verrieben, entsteht hochwertige Ölfarbe, je nach Mischungsverhältnis der Bestandteile eher lasierend oder aber hochdeckend.
Leinöl als Treibstoff/Energieträger
Leinöl hat durch seinen niedrigen Stockpunkt [4] bessere Kaltstarteigenschaften als Rapsöl. Allerdings führt die hohe Iodzahl zu einem sehr schnellen Antrocknen an Luft (durch den Luftsauerstoff), was die Verwendung im Treibstoffsystem erheblich erschwert [5].
Sonneneingedicktes Leinöl
Eine besondere Form ist das sonneneingedickte Leinöl. Es wird der Sonne über mehrere Monate ausgesetzt und dabei immer wieder umgerührt, damit sich kein Film bildet. Um für die Oxidation eine große Oberfläche zu haben, werden entweder flache Wannen benutzt oder ein Belüfter, wie er für Aquarien Verwendung findet, der durch das ständige Umwälzen auch die Filmbildung verhindert.
Diese Behandlung hat vier Ziele. Erstens wird die Konsistenz dadurch zähflüssiger, zweitens wird das Leinöl dabei gebleicht (also heller), drittens die Trockenzeit verkürzt und viertens die Volumenzunahme beim Trocknen verringert, was die Gefahr der Runzel- und Rissbildung vermindert. Verwendung findet das sonneneingedickte Leinöl in erster Linie im Geigenbau und in der Malerei, besonders der flämischen Barock-Malerei. Beim Geigenbau wird das Leinöl so stark eingedickt, dass die Masse zur Homogenisierung durch einen Fleischwolf gedreht werden muss. Als Holzschutz ist solches Dicköl nicht geeignet, da es zu schnell trocknet und deshalb nicht tief genug eindringt.
Leinöl neigt bei einem überaus hohen Zerstäubungsgrad oder Verteilungsgrad in relativ kurzer Zeit zur Selbstentzündung schon bei Raumtemperatur. Eine unsachgemäße Handhabung von mit Leinöl getränkten Lappen und Pinseln verursacht in Schreinereien, Malerwerkstätten und auch im Privatbereich häufig Brände.[6]
Die Selbstentzündung geschieht wahrscheinlich durch Autooxidation von Doppelbindungen bei großer Oberfläche und somit hoher Verfügbarkeit von Luftsauerstoff. Mit einem Flammpunkt von ca. 315 °C (Marcusson) und einem Siedepunkt oberhalb von 350 °C ist Leinöl ansonsten eher schwer entzündlich.
Vorsichtsmaßnahmen: Mit Leinöl getränkte Textilien unbedingt auf nicht brennbarer Fläche flach zum Trocknen auslegen oder in Wasser tränken oder in einem luftdichten Behälter (Schraubglas, Metalldose) aufbewahren bzw. kontrolliert verbrennen. Pinsel mit Leinölseife auswaschen oder bis zur nächsten Benutzung in rohes Leinöl hängen. Siehe den Artikel: Achtung: Leinöl
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