Brandentwicklung im Heuhaufen

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Brandentwicklung im Heuhaufen

Ein Heuwender sorgt dafür, dass das Heu trocken eingefahren werden kann.
Foto: Rainer Schwarz
es ist Erntezeit, Heu wird eingebracht
Foto: Rainer Schwarz
Leider wird Heu oft im Gebäude gelagert. Kommt es zu einem Brand ist auch das Gebäude verloren.
Foto: Daniela Schlepphorst.

Wenn Heu eingefahren und zum Trocknen aufgebracht wird, rückt regelmäßig die Feuerwehr aus, weil diese durch Selbstentzündung oder während des Umstechens plötzlich zu brennen beginnen.

„Wenn getrocknetes Heu eingebracht wird, sind noch nicht alle Pflanzenzellen abgestorben. Selbst scheinbar dürres Futter enthält noch zellgebundenes Wasser. Dadurch kommt es über die Restatmung zur so genannten "Schwitz- oder Gärphase", d. h. je feuchter, desto mehr Restatmung und damit Wärme und Kohlendioxid wird frei“, erklärt Dipl.-HLFL-Ing. Josef Galler, Gerichtssachverständiger und Landwirtschaftsberater aus Salzburg, jenes Phänomen, welches jährlich Feuerwehr auf der ganzen Welt immer wieder ausrücken lässt.
Warme Luft aus dem inneren des Heustockes durchströmt kühlere Außenzonen. Durch diesen Temperaturunterschied am Material kommt es zu Kondensation am Heu, was wiederum zu einer Erhöhung der Restatmung führt. Ist das Heu zu dicht gelagert, staut sich die Wärme. Meist entsteht laut Galler dieser Wärmestau nesterweise im Kern bzw. im unteren Teil des Heustockes.
„Dabei tragen auch die Mikroorganismen selbst zur Erwärmung bei. Zur Vermehrung benötigen sie neben Feuchtigkeit auch Nährstoffe aus dem Heu, wodurch der Futterwert sinkt“, so Galler.
Je feuchter das Heu von Haus aus und je verschmutzter ebendieses ist, desto schneller und intensiver gestaltet sich dieser Prozess, wobei gemäß Galler Temperaturen von bis zu 75°C entstehen können. Misst nun der Bauer mit einer Sonde die Temperatur und will er das noch gute Futterheu vom Branntheu trennen, so fügt dieser durch das eigenständige Zerteilen des Heustocks Sauerstoff hinzu. Das führt zu einer Flammbildung.

Nicht nur die Selbstentzündung von Heu wird durch Restfeuchte verstärkt. Auch Qualitätsverluste für das Futterheu werden durch diese chemischen Prozesse verstärkt. Hier fügt Galler hinzu: „Restfeuchten über 20 % führen bereits zu Qualitätsverlusten und bei 25 % Einfuhrfeuchte kann vor allem bei klee- und kräuterreichem Heu leicht die Überhitzungsgrenze erreicht werden, wodurch die Gefahr der "Heuselbstentzündung" steigt. Gefährdetes Futter mit Restfeuchten von 20 % und darüber sollte möglichst in dünnen Schichten und locker gelagert werden. Eine Beimischung von Viehsalz (wasseranziehend) kann unterstützend wirken.“


Interessantes für die Feuerwehr

Temperaturen von 40° C bis 45° C sind normal. Der Heustockbesitzer ist bis zwölf Wochen nach der Einlagerung dazu angehalten, Messungen durchzuführen. Ab einer Temperatur von 45° C bis 60° C ist der Heustockbesitzer verpflichtet, eine Messung regelmäßig durchzuführen, da „sich aufgrund des Eigendruckes des Heustockes auch noch später Brandnester aufbauen können“. Galler verweist eindeutig auf eine „tickende Bombe“, die durch eine solche Methode aufgespürt werden soll. Der Heustockbesitzer sollte für seine eigene Beweissicherung die Messergebnisse in einen so genannten „Heustockmesskalender“ eintragen, die man in jeder Landesstelle für Brandverhütung erhalten kann. Wird die Messung nicht regelmäßig durchgeführt, so kann dies bereits als fahrlässige Brandstiftung ausgelegt werden. Wird die Feuerwehr zu einem Brandverdacht bei einem Heustock gerufen, so sollte vor dem Angriff ebenfalls gemessen werden. „Die Messstellen sollen maximal 1,5 Meter voneinander entfernt liegen, wobei auch die entlegensten Teile des Heustockes erfasst werden müssen“, so Galler. Bei Temperaturen von 70° Celsius kann es beim Zerteilen des Heustockes durch die Sauerstoffzufuhr zur Flammenbildung kommen. Ein Anzeichen für einen fortgeschrittenen Selbstentzündungsprozess kann auch ein muldenartiges einsinken des Heustockes an der Oberfläche ebendieses sein.


Löschen?

Je nach Größe der Heulagerung, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Mittels (Heu-) Löschlanzen ist die Einbringung des Löschmittels effizient und einfach. Hierbei sollte an eine – um die Oberflächenspannung des Wassers zu zerstören – einprozentige Beimengung eines Löschschaummittels gedacht werden. Das Aufbrechen des Heustockes birgt die Gefahr der Brandausbreitung. Diese Variante ist unter massivem Schutz (also unter ständiger Aufbringung von Wasser) durchzuführen.

Rechtliches für den Besitzer

Dipl.-HLFL-Ing. Josef Galler, warnt in seinem Artikel im Bauernjournal West alle Besitzer von Heustöcken: „Eine Heumessung mittels Heusonde muss aus versicherungsrechtlichen Gründen immer durchgeführt und die Messergebnisse müssen aufgezeichnet werden.
Wird das regelmäßige Messen der Heustocktemperatur unterlassen, kann dies im Falle eines Brandes neben versicherungsrechtlichen Konsequenzen auch nach dem Strafgesetzbuch zu einer Anklage wegen Herbeiführung einer Feuerbrunst aufgrund grober Fahrlässigkeit führen.“


Factbox nach Galler:

Temperatur im Heustock

Normal: Temperatur unter 45 °C
Gefahr: 45 bis 60 °C
alle fünf Stunden messen: 60 bis 70 °C
Feuerwehr rufen: über 70 °C

Erkennungsmerkmale

Schwitzwasserbildung
seltsamer Geruch
Temperaturanstieg auf über 50 °C
eventuell muldenförmige Einbuchtung in der Mitte des Heustockes

josef.galler@lk-salzburg.at


Quelle:


Siehe auch:



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