Stroh

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Der Begriff Stroh ist ein Sammelbegriff für ausgedroschene und anschließend getrocknete Halme und Stängel, im weiteren Sinn von jeglichen Feldfrüchten, im engeren Sinne nur von Getreide.



Fotos: Rainer Schwarz u. a.


Das meiste Stroh wird als Humus- und Nährstoffquelle in den Boden landwirtschaftlicher Nutzflächen eingearbeitet, entweder direkt nach der Ernte der Feldfrüchte oder – vermischt mit Tierexkrementen als Mist – nachdem es als Einstreu genutzt wurde. Einige Stroharten dienen auch als nährstoffarme Futtermittel. Stroh wird auch energetisch genutzt als Brennmaterial und als Rohstoff für synthetische Biokraftstoffe. Zudem wird Stroh als Baumaterial (Strohballenbau), als Rohstoff für (kunst‑)handwerkliche Arbeiten (z. B. Strohflechterei) und als Material zur Eindeckung von Dächern verwendet.

Im Unterschied zu Stroh besteht Heu aus luftgetrockneten, geschnittenen Futterpflanzen, d. h. meist aus Gräsern und Kräutern, zum Beispiel aus Klee.


früher schliefen die Menschen auf Stroh
Foto: Rainer Schwarz

Nutzung

Stroh kann sowohl stofflich als auch energetisch genutzt werden. Dabei lässt sich die Verwendung des Strohs bis in die vorgeschichtlichen Phasen der Menschheitsgeschichte mit den Anfängen der landwirtschaftlichen Nutzung von Getreidearten zurückverfolgen.

Das Stroh verschiedener Getreidearten, im wesentlichen Weizen, Roggen, Gerste und Triticale, fällt als Koppelprodukt bei der Nutzung des Getreides zur Ernährung und Stärkegewinnung an.


Im Jahr werden in Deutschland etwa:

  • 23 Mio. t Weizen auf 3,2 Mio. ha Fläche produziert, hinzu kommen
  • 11,5 Mio. t Gerste auf 2 Mio. ha,
  • 2,8 Mio. t Roggen auf 550.000 ha,
  • 2,6 Mio. t Triticale auf 380.000 ha und
  • 1,2 Mio. t Hafer auf 210.000 ha

M. Schmidt, A. Maul, M. Richter, U. Gramm: Statistisches Jahrbuch über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten der Bundesrepublik Deutschland 2007. Landwirtschaftsverlag, Münster-Hiltrup 2008.


So fallen jährlich etwa:

  • 21 Mio. t Getreidestroh an, davon
  • 11 Mio. t Weizen-,
  • 6,5 Mio. t Gersten-,
  • 2 Mio. t Roggen-,
  • 1,3 Mio. t Hafer- und
  • 1,2 Mio. t Triticale-Stroh (berechnet auf der Basis des Korn-Strohverhältnisses). Davon können technisch rund 20% energetisch oder stofflich genutzt werden.

M. Kaltschmitt: Energetische Nutzung organischer Abfälle. In: Abfallenergienutzung – Technische, wirtschaftliche und soziale Aspekte, Akademie Verlag Berlin GmbH, 1995, S. 114 ISBN 3-05-501706-4 (Volltext)

Ein großer Teil des Strohs verbleibt auf dem Acker und trägt so zur Humusbildung bei. Maximal könnten etwa 30% des Strohs entnommen werden, ohne einen Schaden bei der Bodenbildung zu haben.


Stoffliche Nutzung Einstreu und gartenbauliche Nutzung

Der größte Teil des eingefahrenen Strohs dient als Tiereinstreu für die Großtierhaltung (Rinder, Pferde und Schweine). Im Privatbereich wird Stroh für die Haltung von Kaninchen und anderen Kleintieren eingesetzt: Es kann hier als Alternative zu Sägespänen oder Schäben verwendet werden. Gerstenstroh hat gegenüber Stroh aus anderen Getreidearten eine deutlich hellere Farbe und nimmt schlechter Feuchtigkeit auf. Aus diesem Grunde eignet es sich nicht so gut als Einstreu. Geringere Mengen werden in der Pilzzucht als Aufzuchtssubtrat oder im Obstbau, vor allem als Abdeckung von Erdbeeren zum Kälteschutz, eingesetzt.


Bau- und Dämmstoff

Baustoff Stroh unter den Dachpfannen
Foto: BR 0710
als diese Häuser mit einem Strohdach gebaut wurden, gab es noch kein Baugesetzbuch.
Foto: Rainer Schwarz

Eine wichtige stoffliche Verwendung des Strohs stellt seine Nutzung als Bau- und Dämmstoff dar. Im Hausbau ist der Strohballenbau etabliert, der bereits seit ca. 1890 in den USA praktiziert wurde und seit den 1980ern eine Renaissance erlebt, heutzutage dienen Strohballen als Baustoff in Nordamerika, Europa und Asien <ref name="spritz">Josef Spritzendorfer: Nachhaltiges Bauen mit "wohngesunden" Baustoffen, 2007, ISBN 978-3-7880-7802-7, S.67-71</ref>. Bei der tragenden Strohballenbauweise bestehen die Wände gänzlich aus Strohballen und die Dachlast wird über die Strohballen getragen. Bei der nicht-tragenden Bauweise bildet ein Holzständerwerk das Tragwerk und die Zwischenräume (Gefache) werden mit Stroh ausgefüllt. Diese Konstruktionsart entspricht weitgehend dem Holzrahmenbau oder auch dem klassischen Fachwerkhaus <ref>Lore Kelly: Bauen mit Strohballen In: Bauthema Naturdämmstoffe, 2006, ISBN 3-8167-6916-0, S.81-85</ref>, in Deutschland wird diese meist vorgezogen, da Strohballen hier bauaufsichtlich noch nicht als lasttragende Baustoffe zugelassen sind <ref name="spritz" />.


Stroh ist ein guter Dämmstoff und weist in Ballenform einen WLG-Wert von 046 auf. Fachgerecht verbaute Strohballen sind schimmelresistent, werden als normalentflammbarer Baustoff (B2) kategorisiert und sind mit Setzungswerten von 2,3% im Bauteil anderen Dämmstoffen ebenbürtig. <ref>Heidi Adensam: Dämmen mit Stroh im vorgefertigten Wohnbau In: Bauthema Naturdämmstoffe, 2006, ISBN 3-8167-6916-0, S. 62</ref> Die Rohdichte der Ballen liegt zwischen 90 und 150 kg/m³ <ref name="spritz" />.

Darüber hinaus existieren zahlreiche Mischformen. So wurde Stroh im Lehmbau traditionell oft gemischt mit Lehm verwendet, es erhöht die Festigkeit und verbessert die Wärmedämmung. Außerdem wurden früher in vielen Regionen Strohdächer gefertigt.


Omas Hut aus Stroh
Foto: BR

Andere stoffliche Nutzungen

Vor allem historisch hatte die Verwendung von Stroh für eine Reihe von Produkten sehr viel größere Bedeutung, wurde jedoch durch andere Materialien abgelöst. Aus geflochtenem Stroh wurden Schuhe hergestellt, die so genannten Strohschuhe. Eine weitere Verwendung waren Bienenkörbe aus geflochtenem Stroh, die gelegentlich auch heute noch gefertigt werden.

Überholt ist auch der Einsatz als Trinkhalm, obgleich Plastiktrinkhalme nicht selten immer noch als Strohhalme bezeichnet werden. Als Verpackungsmaterial wurden früher Strohhalme verwendet, um Erschütterungen zu dämpfen. Diese Funktion wird heute vor allem durch Styropor und andere Kunststoffe erfüllt, obwohl es durchaus innovative Produkte auf Strohbasis als Verpackungsfüllmaterial gibt. Mitunter wurde Stroh auch für die Herstellung von Papier verwendet. Heute noch werden gelegentlich Zielscheiben für das Bogenschießen aus Stroh gefertigt.

Im traditionellen Japan sind Strohmatten aus Reisstroh (Tatamis), die auf den Boden gelegt wurden, der Sitzplatz der Menschen, nicht Stühle oder Bänke. Durch Auflegen mehrlagiger Decken aus Baumwolle (Futons) auf diese Tatamis wurde der Boden auch zum Schlafplatz, so dass es auch keine Betten im europäischen Sinne gab. In Europa werden Tatamis unter anderem als Unterlage für die Ausübung von Judo und anderer japanischer Kampfsportarten verwendet.

Lange Zeit diente auch in Europa Stroh als Bettstroh. Da aber die langen Halme schnell brachen, wurde das Lager hart und unbequem. Heute erlebt der Naturstoff in Strohkernmatratzen eine kleine Renaissance: Gereinigtes Stroh wird gepresst, mit einem Gewebe umgeben, mit Garn versteppt und oft auch mit Lagen anderer Naturmaterialien wie Naturkautschuk kombiniert.

Neben Holz, speziell schnellwachsender Hölzer aus Kurzumtriebsplantagen, stellt Getreidestroh einen potenziellen Lieferanten für Lignocellulose als Rohstoff für die Nutzung in Bioraffinerien zur Herstellung verschiedener Plattformchemikalien dar. Entsprechende Vorhaben befinden sich allerdings noch in der Planung.


Energetische Nutzung

Stroh ist nach der 1. BImSchV [1] Erste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen - 1. BImSchV)] </ref> als Regelbrennstoff für Heizungen zwischen 15 kW und 100 kW freigegeben, so dass ein Verbrennen in Anlagen für den Hausgebrauch ohne Sondergenehmigung gestattet ist. Für Anlagen von z.B. 15 bis 50 kW ergeben sich aus dieser Vorschrift Abgasgrenzwerte (pro m³ Abgas) von 0,15 g/m³ Feinstaub und 4 g/m³ Kohlenmonoxid (CO). In Dänemark ist die Verbrennung von Stroh zur dezentralen Wärme- und Stromgewinnung bereits relativ verbreitet. In Norddeutschland sind die ersten drei Strohheizkraftwerke Deutschlands geplant, deren Feuerungswärmeleistung je 49,8 MW betragen soll.<ref>Johann Müller (2007): Energiekosten durch Stroh senken. Land & Forst 50/2007 vom 13.12.2007, S. 46-47.</ref> Es ist dabei abzugrenzen von der Getreideverbrennung, bei der das Korn zur Befeuerung genutzt wird.

Als cellulosereicher Rohstoff ist Stroh auch zur Herstellung solcher Biokraftstoffe geeignet, die Cellulose als Ausgangsprodukt nutzen (zum Beispiel BtL-Kraftstoff und andere synthetische Biokraftstoffe, Cellulose-Ethanol). Diese Kraftstoffe befinden sich noch weitgehend in der Entwicklungsphase.

Es gibt erste Ansätze und Firmen, die aus Stroh Pellets herstellen. Ein Nachteil dieser Strohpellets im Vergleich zu Holzpellets ist, dass die meisten Pelletheizungen nur für Holzpellets freigegeben sind. Die Verbrennungseigenschaften von Strohpellets unterscheiden sich ein wenig von Holzpellets, und es ist schwerer, die Abgaswerte einzuhalten.


Etymologie

Etymologisch hängt der Begriff Stroh mit dem alt- und mittelhochdeutschen Ausdruck stro (streuen) zusammen, bedeutet also eigentlich Ausgestreutes bzw. Ausgebreitetes. Ein weiterer Ausdruck für Stroh lautet Strüh und ist in der rheinischen Mundart zu finden.


Stroh neigt ebenso wie Heu zur Selbstentzündung. Da die biologischen und chemischen Prozesse der Selbsterwärmung die gleichen sind, wird auf den entsprechenden Artikel bei Heu verwiesen. Das Stroh ist jedoch nicht so anfällig wie Heu. Im übrigen kann man diese Prozesse unter anderem auch nachlesen in: "Die Ermittlung von Brandursachen".


siehe auch:



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